Wien. Der Prozess rund um den Burg-Finanzskandal geht in die heiße Phase. Für Mittwoch und Donnerstag sind ganztägig Anhörungen angesetzt. Am ersten Prozesstag werden Ex-Burg-Direktor Matthias Hartmann, der zurückgetretene Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer sowie der Kontrollbank-Generaldirektor und ehemalige Kunstminister Rudolf Scholten befragt. Tags darauf sind Kulturminister Josef Ostermayer im Zeugenstand, Rechtsanwalt Thomas Angermair, Holding-Prokurist Othmar Stoss und Kunstsektionsleiter Michael Franz.

Die juristische Aufarbeitung des Burg-Finanzskandals beginnt mit ganztätigen Anhörungen. Ob dabei die Göttin der Weisheit oder der Kriegskunst Oberhand behält? - © Martin Siepmann/imagebroker/Corbis
Die juristische Aufarbeitung des Burg-Finanzskandals beginnt mit ganztätigen Anhörungen. Ob dabei die Göttin der Weisheit oder der Kriegskunst Oberhand behält? - © Martin Siepmann/imagebroker/Corbis

Zum Auftakt der Verhandlungen fasst die "Wiener Zeitung" die wichtigsten Fragen zur Causa zusammen.

1. Warum verklagt Matthias Hartmann das Burgtheater?

Weil er seine fristlose Entlassung als "unberechtigt" und daher "unwirksam" erachtet. Am Vormittag des 11. März 2014 wurde der Burg-Direktor seines Amtes enthoben, ein in der langen Geschichte des Burgtheaters beispielloser Vorgang. Der Ex-Burg-Direktor fordert von seinem ehemaligen Arbeitgeber eine Entschädigung von zwei Millionen Euro, das entspräche in etwa dem Verdienstentgang.

2. Warum wurde Hartmann entlassen?

Laut einem Rechtsgutachten von Anwalt Thomas Angermair habe Hartmann "pflichtwidrig gehandelt" und seine Sorgfaltspflicht als Geschäftsführer "erheblich verletzt".

3. Warum erhebt das Burgtheater Klage gegen den ehemaligen Direktor?

Das Burgtheater will die 2012 erfolgte Vertragsverlängerung wegen "Irrtum und Arglist" anfechten. Wären damals schon Hartmanns Verstrickungen in die Malversationen der Burg-Finanzen bekannt gewesen, wäre die Verlängerung nicht zustande gekommen, so die Position der Burg. Das Verfahren ist derzeit geschlossen.

4. Das Burgtheater ist eine der größten und reichsten Bühnen der Welt. Warum kam Hartmann nicht mit dem Geld aus?

Das Burgtheater ist mit Subventionen von rund 46 Millionen Euro die mit Abstand am besten dotierte Sprechtheaterbühne Wiens, im gesamten deutschen Sprachraum sucht man lange nach einer Bühne mit diesen Ressourcen. Wie kam es zu einer Überschuldung? Das Grundproblem liegt darin, dass die Basisabgeltung seit der Ausgliederung vom Bund nicht wesentlich erhöht wurde (1999: 43,8 Millionen Euro), während zugleich sämtliche Kosten inflationsbedingt gewachsen sind. Vor allem die hohen Personalkosten, die aufgrund von kollektivvertraglichen Vereinbarungen ebenfalls stetig steigen, sind die Achillesferse des Theaterbetriebs. Schon in der Direktion Klaus Bachler wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass gedeckelte Subventionen bei steigenden Kosten einer schleichenden Budgetkürzung gleichkämen. Auch Matthias Hartmann stand vor demselben Problem. Im Februar 2013 hat das Burgtheater vorgerechnet, dass es in den vergangenen 13 Jahren bereits zu einer Kürzung von rund 30 Prozent kam.