Wien. Ist die Entlassung von Burg-Direktor Matthias Hartmann nun wirksam oder nicht? Dieser Frage geht Richterin Kristina Heissenberger mit Nervenstärke und beachtlicher Ausdauer auf den Grund: Der erste Prozesstag am Mittwoch, 24. September, dauerte 13 Stunden; bis 22.45 Uhr wurden Hartmann und der ehemalige Holding-Chef Georg Springer befragt. Spätnachts wurde noch Ex-Minister Rudolf Scholten aufgerufen.

Mit der Befragung von Kulturminister Josef Ostermayer beginnt der zweite Prozesstag. Erneut geht es zunächst darum, ob Ostermayer überhaupt ermächtigt war, Hartmann dessen Amtes zu entheben. Die Zuständigkeiten für Kunst seien ihm übertragen worden, stellt der Minister klar. Zudem erfolgte Hartmanns Berufung und Verlängerung jeweils durch die für Kunst und Kultur zuständige Person, Gleiches gelte demnach - actus contrarius - für die Abberufung. Ostermayer: "Anders ging es gar nicht." Relevant ist diese Frage, weil Hartmann im Kontext seiner Entlassung die Auffassung vertritt, allein Bundeskanzler Werner Faymann könne ihn entlassen.

"Keine Textexegese"

Was hat Ostermayer nun bewogen, Hartmann zu entlassen? "Für mich war ausschlaggebend, dass er die Sorgfaltspflicht als Geschäftsführer erheblich verletzte", gab der Befragte vor Gericht an. Grundlage für die Entscheidung lieferte vor allem ein vom Ministerium in Auftrag gegebenes Gutachten, erstellt von Anwalt Thomas Angermair.

Am Abend des 10. März erhielt Ostermayer ein etwa 65-seitiges Gutachten, das er über Nacht gelesen, wichtige Stellen mit Eselsohren markiert habe. Am Dienstag, 11. März, stellte er Hartmann vor die Wahl: Rücktritt, einvernehmliche Trennung oder Kündigung. Um 10.15 Uhr sei die Entscheidung gefallen. "Leider hat sich Hartmann für das Letztere entschieden", so der Minister. "Ich wollte Hartmann nie schaden." Die kurze Zeitspanne - zwischen Gutachten und Entlassung lag nur eine Nacht - erklärt Ostermayer damit, dass Berater ihm Unverzüglichkeit nahegelegt hätten.

Hartmanns Rechtsvertreter wollten herausarbeiten, ob der Minister etwas von Vorbereitungshonoraren, Bargeldzahlungen und Depotverwahrungen wusste. Er könne sich nicht mehr daran erinnern, schließe dies aber nicht aus, sagte Ostermayer nach einem heftigen Scharmützel zwischen Hartmanns Anwalt Georg Schima und der Richterin. Ferner verwies er auf einen Passus des Angermair-Gutachtens, aus dem eindeutig hervorgehe, dass Hartmann mit den Kassaaktivitäten seiner kaufmännischen Geschäftsführerin Silvia Stantejsky vertraut gewesen sei.