Nun kritisiert er im Interview mit der "Welt" auch seine Kollegen, die sich einem Meinungsmainstream unterwerfen: "Ich habe kein Verständnis dafür, dass die bei uns lange erkämpfte Meinungsfreiheit nicht mehr ernst genommen wird, wenn sich jemand beleidigt zeigt. Und die Kollegen gehen dann auch gern den Weg, der nicht wehtut. Die ziehen dann halt den Schwanz ein."

Dabei hat der Konflikt mit dem Islam im deutschen Humorgeschäft eigentlich eine frühe Tradition. 1987 konnte man mit harmlosen Witzen noch ganze Staatskrisen auslösen. Damals hat Rudi Carrell in der Satireshow "Rudis Tagesshow" zum Jahrestag der Islamischen Revolution im Iran eine Bildmontage gezeigt, in der Ayatollah Khomeini von enthusiastischen Damen mit Unterwäsche beworfen wird. Das kommentierte Carrell trocken mit: "Ayatollah Khomeini wird von der Bevölkerung gefeiert und mit Geschenken überhäuft." Die Folge war ein diplomatischer Bruch des Iran mit Deutschland, Proteste gegen ein faschistisches Deutschland in Teheran, Iran-Air stellte seine Flüge nach Deutschland ein. "Rudis Tagesshow" wurde abgesetzt, Carrell leistete hernach Frondienst bei "Herzblatt". Das Band ist nach wie vor unter Verschluss im Archiv.

Trottelige Bartträger

Weil nun sicher wieder von einschlägigen Seiten und nicht nur dort die Rede davon sein mag, dass der Islam einfach eine humorlose Religion ist: Dafür gibt es Gegenbeispiele. Eines davon sind muslimische Satiriker, die sich mit Comedy-Videos gegen den brutalen IS und seine Medienstrategie zu wehren versuchen. In denen IS-Kämpfer als trottelige Bartträger mit löchrigem Fanatismus verspottet werden, etwa auf dem palästinensischen Sender Al-Falastinia (und natürlich auf YouTube).

Oft hört man, gerade im Windschatten solcher Anlassfälle wie der Nuhr-Anzeige, Folgendes: "Die regen sich auf. Aber wir Christen, wir müssen uns ja alles gefallen lassen." Zum Beispiel einen inkontinenten Papst Benedikt XVI. auf dem Cover des Magazins "Titanic". Aber zur "Beruhigung": Auch auf dieser Seite können Fanatiker ganz schnell den Humor verlieren. Das musste zuletzt die deutsche Kabarettistin Carolin Kebekus erkennen. Nach einem kirchenkritischen Rapvideo, in dem sie etwa ein Kruzifix ableckt, erhielt sie Drohungen von christlichen Fundamentalisten. Auch Anzeigen gingen ein - sie wurden aber mit dem Hinweis auf die Freiheit der Kunst nicht weiterverfolgt. So wird wohl auch die Nuhr-Affäre enden. Nur nach ein bisschen lauterem Medienecho eben.