Kuratoren-Aufstieg des Jahres: Über einen Wechsel von Tomas Zierhofer-Kin vom Kremser Donaufestival zu den Wiener Festwochen war bereits mehrmals - und spätestens mit einer ersten offiziellen Bewerbung im Jahr 2011 - spekuliert worden. Im November dieses Jahres wurde nun tatsächlich bekannt, dass der gebürtige Salzburger das Traditionsfestival ab 2016 leiten wird. Er beerbt somit einen alten Kollegen: Mit Noch-Direktor Markus Hinterhäuser verbindet Zierhofer-Kin etwa die Gründung des Zeitfluss-Festivals im Rahmen der Salzburger Festspiele. Neue Akzente für die Wiener Festwochen sind von ihm auf jeden Fall zu erwarten - man darf aber gespannt sein, wie explizit sie sich an Donaufestival-Kernanliegen zwischen "Queer Identity", "Verwischung der Genregrenzen" und "Radikale Avantgarde" orientieren werden.

Aussteiger des Jahres: Schon öfters hat Franz Welser-Möst auf die Abschiedspauke gehaut. Am effektvollsten tat er es freilich im Herbst dieses Jahres: Da nahm der Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper als solcher den Hut und ließ Direktor Dominique Meyer auf mehr als 60 dirigentenlosen Abenden sitzen. Aufgrund der Diskretion der Opponenten wurden zwar nur vage Stichwörter ("künstlerische Differenzen") über den Hintergrund des Exodus ruchbar. Für Welser-Möst-Kenner gilt jedoch als ausgemacht, dass der Maestro - wie nach seinem Bruch mit Salzburg 2012 - wohl eher früher als später zurückkehren wird.

Zweifelhaftester PR-Coup des Jahres: Dass das neue U2-Album mit dem Titel "Songs Of Innocence", sehr vorsichtig ausgedrückt, kein Meilenstein ist, ist die eine Sache. Dass die Band um Sänger Bono ihre Seele an den Apple-Konzern verkauft, eine andere. Mit der Zwangseinspeisung des Werks in die Playlists von mehr als 500 Millionen iTunes-Usern als Marketing-Schmäh allerdings war der Bogen überspannt. Die Band erntete einen gewaltigen Shitstorm, der Bono sich später reumütig entschuldigen ließ. Zu spät. Als Strafe werden U2 erstmals seit über zehn Jahren nicht in Stadien konzertieren, sondern auf Hallentour gehen müssen.

Bühnentrend des Jahres: Pop will seit jeher hoch hinaus. Lange aber waren Flugeinlagen oder überlebensgroße Deko-Artefakte bei Konzerten nicht mehr so beliebt wie derzeit. 2014 erlebte man Justin Timberlake samt seiner Tanzbelegschaft sich in schwindelerregender Höhe quer durch die Stadthalle schieben. Miley Cyrus kam am selben Ort auf einem Hotdog geflogen, ehe sie ein Mordstrumm von Plastik-Husky für die Dauer nur weniger Konzertminuten aufbauen ließ. Man darf darin ein Sinnbild erkennen: nämlich für einen Höhenflug, der nun auch die Niederungen des Schlagers erreicht. Helene Fischer zog ihre Runden auf einem Riesenvogel. Mit "V" wie "Flügel"!

Vertrautheit und Altersaktivität des Jahres: Die Rolling Stones spielten zum wieder einmal letzten Mal im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Bob Dylan schaute in der Stadthalle vorbei und setzte erstmals auf eine fast fixe Setlist. Neil Young rockte uns mit Crazy Horse einmal mehr als Beton-Sturschädl aus der Garage. AC/DC trotzten der Krise mit einem neuen Album, das so sehr nach dem einen Album von AC/DC klang, wie das neue Album von Bryan Ferry nach dem einen Album von Bryan Ferry klingt: Die umtriebigen Eben-doch-nicht-Pensionisten des Poprockuniversums liefern Nachschub und brauchen sich dafür nicht neu erfinden. Das Publikum ist begeistert - gerade weil alles beim Alten bleibt.

Nicht-Skandal des Jahres: Während die Causa Burgtheater mittlerweile eine ganze Armee von Anwälten ernährt (und womöglich noch deren Kindeskinder streiten werden, wer das Riesenminus am Haus nun wirklich zu verantworten hat), glänzten die Salzburger Festspiele heuer durch Skandalfreiheit - ein Rarum in der sonst meist kantigen Intendanz von Alexander Pereira. Der Grund: Der scheidende Chef agierte bereits mit einem Planungsfuß an der Mailänder Scala und hatte auch schon die obligate Konfliktwolke über seinem Haupt an den neuen Arbeitsort übersiedelt.

Konfliktmanagement des Jahres: Er werde gar nichts zurückgeben, sagte er anfangs - nun wurde in Deutschland doch noch eine gerechte Lösung in dem vertrackten Fall paktiert. Die gigantische Kunstsammlung des verstorbenen Cornelius Gurlitt soll testamentsgemäß an das Kunstmuseum Bern gehen, Nazi-Raubkunst nach eingehender Prüfung restituiert werden. In "trockenen Tüchern" ist die Lösung wegen der zunehmend konfliktfreudigen Gurlitt-Verwandtschaft aber noch nicht.

Opernbesucher des Jahres: Tom Cruise war diesen Sommer auf "Mission Impossible"-Dienstreise in Wien und hielt Massen von Schaulustigen im Bann, die es alle abendfüllend fanden, Stunden zu warten, bis sie von weiter Ferne einen kleinen Mann von einem hohen Opernhaus hüpfen sehen konnten. Alle anderen Bewohner von Zwischendurch-Hollywood ließen sich auf der Suche nach einer Ring-Tram belehren: "Na, de foahrt do heit nimma."

Körperteil des Jahres: Das war zweifelsfrei das Hinterteil. Nachdem schon im Vorjahr mit dem Backenwackel-Tanzstil Twerking der Fokus nach achtern gelenkt wurde, entwickelte sich die Popschession nachgerade zum popkulturellen Phänomen. US-Rapperin Nicki Minaj huldigte in ihrem Song "Anaconda" ihrem eigenen "big fat ass", und im Überraschungshit "All about that bass" von Meghan Trainor lernte man: "Burschen mögen es, wenn sie nachts ein bisschen mehr Hintern in der Hand haben." Das Ganze kulminierte schließlich in einem Foto vom überdimensionalen Gesäß des Reality-TV-Starlets Kim Kardashian, das dem Begriff "aufbacken" ganz neue bizarre Dimensionen verlieh.