Große Mauer zur Ferienzeit: Solcher Massenandrang soll künftig vermieden werden. - © Corbis/Imagechina
Große Mauer zur Ferienzeit: Solcher Massenandrang soll künftig vermieden werden. - © Corbis/Imagechina

Peking. Es hätte eine große Party werden sollen, wie in jedem Jahr, wenn sich unternehmungslustige Chinesen zum Jahreswechsel zurufen: "Zu Silvester muss man nach Shanghai, dort ist wenigstens etwas los." In den letzten Stunden des Jahres 2014 war dort in der Tat wieder einiges los, trotz der Ankündigung der Behörden, dass es in diesem Jahr keine spezielle Lichtshow an der berühmten Wolkenkratzerfassade des Geschäftsviertels Pudong geben würde. Wie in den Jahren zuvor drängten sich die Massen an der historischen Uferpromenade Bund, doch diesmal ging die Sache nicht gut aus: Bei einer Panik, die vor Mitternacht ausbrach, kamen 36 Personen ums Leben, 49 weitere wurden verletzt. Es war nicht die erste Massenpanik im bevölkerungsreichsten Land der Erde, auch nicht die blutigste, und nach über einem Monat wäre das Land üblicherweise bereits wieder zur Tagesordnung übergegangen.

Kein Laternenfest zu Neujahr

Nicht jedoch diesmal. Im ganzen Land sitzt der Schock nach wie vor tief. Das liegt einerseits daran, dass es sich bei den Opfern überwiegend um junge Frauen handelte, deren Bilder auf sozialen Netzwerken die Runde machten und offensichtlich einen tiefen Eindruck hinterließen. Zum anderen hatte gerade Shanghai stets den Ruf, eine der bestverwalteten Städte des Landes zu sein, wo doch so vieles besser funktioniert als anderswo.

Wie konnte eine derartige Katastrophe also in einer Metropole passieren, die noch vor fünf Jahren mit der Expo ein Großereignis mit 73 Millionen Besuchern erfolgreich gemeistert hatte? Für die Behörden war rasch klar, dass es diesmal Konsequenzen geben müsse, und das nicht nur in Shanghai, sondern in ganz China. Und diese würden überwiegend den Kunst- und Kulturbereich betreffen.

Die ersten Maßnahmen trafen zunächst die Glitzerstadt am Huangpu selbst, wo das traditionelle Laternenfest im Yu-Garten abgesagt wurde. Die 18-tägigen Feierlichkeiten zu Beginn des Chinesischen Neujahrs, das in diesem Jahr auf den 19. Februar fällt, zogen in der Vergangenheit bis zu 60.000 Besucher pro Tag an. Dabei ist der historische Garten - ein Gewirr aus schmalen Gassen und renovierten Gebäuden aus der Ming-Dynastie - als eine der beliebtesten Touristenattraktionen Shanghais schon an normalen Tagen rettungslos überlaufen. Vor diesem Hintergrund mag eine Absage des Festes zwar verständlich erscheinen, in der Öffentlichkeit kam sie jedoch nicht gut an: "Es ist bedauerlich. Man kann nicht einfach Veranstaltungen wegen dieser Panik absagen. Das Yuyuan-Laternenfest ist ein immaterielles Kulturerbe auf Staatsebene", schrieb etwa ein User auf dem sozialen Netzwerk Weibo.