- © imago/Matteo Gribaudi
© imago/Matteo Gribaudi

Mailand. Der italienische Regisseur Luca Ronconi ist am Samstag im Alter von knapp 82 Jahren gestorben. Nach dem Tod Giorgio Strehlers 1997 galt er als wichtigster italienischer Regisseur der Gegenwart. Er arbeitete sowohl für das Theater als auch für die Oper.

Geboren wurde Ronconi am
8. März 1933 in Sousse (Tunesien). An der Accademia d’Arte Drammatica in Rom ließ sich Ronconi zum Schauspieler ausbilden. 1963 begann Ronconi, selbst Regie zu führen. Seinen Durchbruch hatte er 1969 mit "Orlando Furioso" nach Ariost. In den Jahren 1975 und 1977 leitete Ronconi die Theatersektion der Biennale von Venedig. 1979 gründete und leitete er ein Theaterlaboratium in Prato. Von 1989 bis 1994 war er Direktor des Teatro Stabile in Turin, anschließend des Teatro di Roma. Anfang 1999 wurde er Nachfolger Giorgio Strehlers als künstlerischer Leiter des Piccolo Teatro in Mailand.

Ronconis Interesse galt besonders dem Theater der Antike und allen Theaterformen, die sich darauf beziehen. Er schuf wegweisende Inszenierungen der "Bakchen" und der "Medea" des Euripides, der "Vögel" des Aristophanes sowie am Wiener Burgtheater der "Orestie" des Aischylos. Er kümmerte sich ebenso um die Dramen Shakespeares und Hofmannsthals, um Wagners "Ring des Nibelungen", um Opern von Mozart und Richard Strauss. Das Musiktheater empfand Ronconi dabei als von vorneherein anti-realistisch. Er vermied psychologisierende Deutungen und verortete die Werke lieber in einem Spannungsfeld zwischen ihrem Inhalt und ihrer Entstehungszeit.

Charakteristisch für Ronconi war dabei die optisch überwältigende Wirkung der Bühnenbilder, für die er auf den postmodernen Stil seiner bevorzugten Szenografen Pier Luigi Pizzi, Luciano Damiani und Ezio Frigerio und vor allem der Architektin Gae Aulenti setzte. Nur einmal arbeitete auch Ronconi im Stil der Arte povera: Im Turiner Teatro Regio inszenierte er Puccinis "Turandot" ohne Bühnenbild, die Sänger agierten in Alltagskleidung. Was als Protest gegen eine Subventionskürzung gedacht war, wurde zu einem von Ronconis größten künstlerischen Triumphen.