Wien. "Wir befinden uns in einer sensiblen Situation", so eröffnet der interimistische Holding-Geschäftsführer Günter Rhomberg die Präsentation des Geschäftsberichts der Bundestheater-Holding für die Saison 2013/14. "Die entscheidende Frage ist: Wie soll es weitergehen? Die finanziellen Probleme lassen sich nicht allein durch Verbesserungsmaßnahmen an einzelnen Häusern lösen."

Auch wenn Unternehmer Rhomberg spürbar lieber Optimismus verbreiten würde, dauernd von "Krise als Chance" und "Aufbruchstimmung" spricht, muss er doch einräumen, dass die Lage des Bundestheaterkonzerns "existenzbedrohend" sei.

Einschnitte im Angebot?

Bereits 2012/13 kam es zu einem Bilanzverlust von 22,3 Millionen Euro, dieser Verlust ist 2013/14 um rund sechs Millionen auf nunmehr 28,4 Millionen angewachsen. Das laufende Geschäftsjahr und auch 2015/16 können nur durch den genehmigten Verkauf von "nicht-betriebsnotwendigen" Immobilien gesichert werden, die jährlich mindestens 15 Millionen einbringen müssen. Bis jetzt kam es erst zu Teilverkäufen, etwa von Dachbodenwohnungen im Hanuschhof. "Als Privater würde man sicher nicht das letzte Tafelsilber verkaufen, um über die Runden zu kommen", äußerte sich Rhomberg kritisch. Nach diesen geplanten Verkäufen verfüge die Holding "nur noch im geringen Maße" über Immobilienreserven.

Insgesamt zeigt die Vermögenslage des Konzerns ein eher tristes Bild: Die Eigenmittelquote ist kontinuierlich von 59,4 Prozent im Jahr 2005/06 auf derzeit 21 Prozent gesunken. Die Burg-Finanzkrise spiegelt sich vor allem in den Krediten wider, die innerhalb eines Jahres von sechs auf 23 Millionen Euro gestiegen sind. Die Auslastung ist 2013/14 in allen Häusern geringfügig gesunken; die Staatsoper liegt bei 99,03 Prozent (verglichen mit 12/13: 99,19); Burgtheater: 84,71 zu 86,19 Prozent; Volksoper: 82,17 zu 82,28 Prozent.

"Wir stehen vor einer politischen Grundsatzfrage", so Rhomberg. "Wenn sich die Grundfinanzierung nicht erhöht, kommt es zu klaren Einschnitten im Angebot." Der Holding-Chef deutet etwa die Notwendigkeit von Schließtagen an. Schon "in den nächsten zwei Monaten" müsse klar sein, wie hoch die Basisabgeltung künftig sein werde, sonst gerät die Planung für 2016/17 in Verzug.

In den Holding-Unterlagen wird vorgerechnet, dass den Bundestheatern in den vergangenen 15 Jahren rund 228,8 Millionen Euro an staatlichen Subventionen entgangen seien, da die Basisabgeltungen nicht inflationsangepasst wurden. Derzeit erhält der Konzern 148,9 Millionen Euro, würde man die Inflation berücksichtigen, käme man auf 176,3 Millionen Euro. Eine IHS-Studie ergab, dass von jedem investierten Euro allein durch den Spielbetrieb 89 Cent an die öffentliche Hand zurückfließen.

Eine politische Entscheidung erwartet Rhomberg auch bei der Strukturerneuerung der Bundestheater. Der 76-jährige Vorarlberger spricht sich deutlich für eine gestärkte Holding aus: "Die Frage nach dem Eigentümer, den Zuständigkeiten und Verantwortungen muss eindeutig geklärt werden."

Wie fragwürdig derzeit der Zusammenhalt innerhalb der Holding-Töchter ist, lässt sich daran ablesen, dass Staatsopern-Direktor Dominque Meyer Ex-Burg-Direktor Matthias Hartmann zur Wiederaufnahme seiner "Lady Macbeth"-Inszenierung engagierte - eine Aufgabe, die häufig von Regieassistenten wahrgenommen wird -, während bekanntlich Hartmann und die Burg mehrere Gerichtsverfahren anhängig haben.

BKA sucht Abteilungsleitung

Das Bundeskanzleramt schreibt unterdessen die Leitung der neuen Abteilung II/8 des BKA aus. Wer immer diese Position künftig innehat, wird sich vorrangig mit den Bundestheatern, der Holding sowie den Salzburger Festspielen herumschlagen. Ausdrücklich erwünscht sind: "Beteiligungs-, Performance- und Finanzcontrolling."