Madrid. Kaum jemand trägt so viele Adelstitel wie der spanische Herzog von Alba. Alfonso Fitz James Stuart besitzt laut dem Guinness-Buch der Rekorde mit 50 Adelstiteln die meisten der Welt. Vor ihm, behaupten einige, müsse sogar die englische Queen Elizabeth einen Knicks machen. Ob das stimmt, ist fraglich. Was allerdings sicher ist: Der Herzog von Alba gehört mit einem geschätzten Vermögen von 3,6 Milliarden Euro nicht nur zu den reichsten Spaniern, sondern besitzt auch eine der exquisitesten privaten Kunstsammlungen der Welt.

Seine Vorfahren haben im Laufe der Jahrhunderte so einiges zusammengetragen. Im Madrider Familien-Palast hängen Gemälde von Goya, Velázquez, Tiziano, Rubens, Murillo, Renoir, Zurbarán und vielen anderen Großmeistern. Sogar Spaniens Kulturminister hob im vergangenen Jahr auf einer kostenlosen Sonder-Ausstellung der Alba-Schätze die große Bedeutung der Adelsfamilie als Kunstmäzen hervor.

Doch die Unterhaltung einer solch bedeutenden Kunstsammlung hat ihren Preis, und so will die Kulturstiftung des Herzogs, die Fundación Casa de Alba, mit der Versteigerung eines persönlich von Christoph Kolumbus geschriebenen Briefes Geld eintreiben. Die Fitz James Stuarts staunten aber nicht schlecht, als Anfang der Woche das Oberste Madrider Landgericht ihnen die Versteigerung des Kolumbus-Briefes verweigerte. Der Verkauf bei Christie’s in London hätte den Albas für die Kulturstiftung mindestens 21 Millionen Euro eingebracht.

Privater Briefinhalt

Die Stiftung, welche die weltweit größte Sammlung eigenhändig geschriebener Briefe von Kolumbus besitzt, wies erneut darauf hin, dass der Brief, den der Amerika-Entdecker 1498 an seinen Sohn Diego verschickte, bewusst ausgewählt wurde, da er einen rein privaten Charakter hat und den vielleicht geringsten historischen Wert im Vergleich zu den restlichen Briefen habe. Zudem besitze die Stiftung zu Forschungszwecken eine digitalisierte Abbildung des Briefes.

Dennoch stimmte das Gericht mit dem Denkmalschutz überein, dass der Brief trotz seines privaten Charakters nicht aus Spanien ausgeführt und versteigert werden dürfe. Dafür sei die "historische Bedeutung und Persönlichkeit" des Kolumbus zu groß. Die Stiftung zeigt sich enttäuscht. Man hätte es verstanden, wenn der Denkmalschutz und das Gericht gegen die Versteigerungen der im Familienbesitz befindlichen Erstausgabe von Miguel de Cervantes weltberühmten Roman "Don Quijote" protestiert hätte, oder der Seekarte, mit welcher sich Christoph Kolumbus nach Amerika verirrte. "Aber nicht bei diesem Gegenstand, dessen Verkauf sehr wichtig für die Unterhaltung des Palast-Museums war."

Wie die Stiftung nun fortfahren will, steht noch nicht fest. Das von Francisco de Goya 1795 gefertigte Gemälde "Die Herzogin von Alba in Weiß" aber werden die Albas wohl mit Sicherheit nicht verkaufen. Immerhin soll Goya mit der abgebildeten Ururgroßmutter des aktuellen Herzogs von Alba eine Affäre gehabt haben, während er das Bild malte!