Henri Matisses "Sitzende Frau" geht zurück an die Familie Rosenberg. - © Staatsanwaltschaft Augsburg
Henri Matisses "Sitzende Frau" geht zurück an die Familie Rosenberg. - © Staatsanwaltschaft Augsburg

Berlin. (dpa/irr) Die ersten Rückgaben in der Causa Gurlitt stehen bevor: Die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat die nötigen Verträge unterschrieben, um zwei Fälle von Raubkunst aus dem sogenannten Schwabinger Kunstfund an die Erben der einstigen jüdischen Besitzer zu restituieren.

Einerseits handelt es sich dabei um Henri Matisses "Sitzende Frau" von 1921: Das Werk soll an die Nachfahren des Pariser Kunstsammlers Paul Rosenberg gehen. Der andere Fall betrifft "Zwei Reiter am Strand". Schon im März 2014 klagte der Holocaust-Überlebende David Toren in Washington auf eine Herausgabe des Max-Liebermann-Gemäldes; im August 2014 bestätigten die Recherchen der sogenannten Task Force Schwabinger Kunstfund in Deutschland, dass es sich um Raubkunst handelt.

Ministerin Grütters erklärte in dem Fall Ende der Vorwoche, eine Restitutionsvereinbarung unterzeichnet zu haben. Sie sei "heilfroh, dass dies nun gelungen ist", zitiert das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" die Politikerin. Es gehe bei solchen Rückführungen vor allem um "die Anerkennung der Opferbiografien", weniger um materielle Werte.

Ganz abgeschlossen sind die Formalitäten aber noch nicht. In beiden Fällen muss noch das Nachlassgericht in München die Verträge begutachten. Grund: die unklare Rechtssituation. Wie berichtet, hat der verstorbene Cornelius Gurlitt, Sohn des NS-Kunsthändlers Hildebrand, seine gesamte Habe dem Kunstmuseum Bern vermacht. Dieses erklärte sich bereit, das schwierige Erbe anzutreten, lässt aber nur Werke über seine Pforten, die vorab von Experten in Deutschland auf ihre Provenienz geprüft wurden. Fälle von Raubkunst - dem hatte noch Gurlitt selbst zugestimmt - sollen ausnahmslos restituiert werden.

So ganz unter Dach und Fach ist die Abmachung zwischen Deutschland und Bern aber noch nicht: Ein Teil der Gurlitt-Familie ficht das Testament des Verstorbenen an. An den Rückgaben dürfte der Streit aber nichts ändern: Auch die aufständischen Nachfahren haben sich in Fällen von Raubkunst klar zu Restitutionen bekannt.