Wien. Sechs Wochen hat er mit dem Koalitionspartner verhandelt, nun liegt das Ergebnis auf dem Tisch: Am Mittwoch stellte Kulturminister Josef Ostermayer die "wohl größte Strukturveränderung des Bundestheaterkonzerns seit der Ausgliederung" vor. Die Gesetzesnovelle, so Ostermayer, werde die Holding stärken und tritt wohl im September in Kraft.

Nicht zu übersehen ist, dass das neue, wie es in voller Länge heißt: Bundestheaterorganisationsgesetz auch eine andere Seite stärkt - nämlich den Minister selbst. Dieser soll künftig nicht nur die künstlerischen Geschäftsführer der Häuser (also Burgtheater, Volks- und Staatsoper), sondern auch deren kaufmännische Leiter ernennen, was bisher konzernintern geschah. Außerdem soll Ostermayer hinfort das letzte Wort in einer Gretchenfrage haben - nämlich, wenn es um die Aufteilung der Subventionsmittel (der sogenannten Basisabgeltung) an die einzelnen Theater geht. Gab es bisher einen Verteilungsschlüssel, will Ostermayer die Zuwendungen "nach Anhörung der Bühnengesellschaften" auf Basis der aktuellen Bedürfigkeit verteilen - wobei er aber suggeriert, dass sich an den bisherigen Relationen nicht viel ändern dürfte.

Holding als Bühnen-Sheriff

Nimmt der Minister seine Theater im Gefolge des Burgskandals an die kurze Leine? Das würde an sich kaum wundern, wird von Ostermayer aber hartnäckig bestritten. Großer Gewinner der Reform, das betont er gebetsmühlenartig, sei die Holding.

Tatsächlich wird deren Kontrollfunktion (die freilich schon vor dem Skandal um die dubiosen Burg-Finanzen bestand) in dem Gesetzesvorschlag mit einem ganzen Bündel neuer Formulierungen akzentuiert. So soll die Konzernmutter künftig die Rolle einer "strategischen Management-Holding" übernehmen und dabei unter anderem "konzernweite Richtlinien über das Zusammenwirken der Töchtergesellschaften" erlassen, ein konzerneinheitliches Buchhaltungs- und Rechnungswesen forcieren und das interne Kontrollsystem (IKS) ausbauen.

Ebenfalls geplant: Das Ministerium soll mit der Holding "Leistungs- und Zielvereinbarungen für drei Jahre" treffen, die Konzernmutter ebendieses mit ihren Töchtern tun. Die kreative Autonomie der Theater soll damit nicht beschnitten werden, dafür aber eine längerfristige Planungssicherheit entstehen. In den Vorjahren hatten sich die - finanziell klammen - Bühnengesellschaften budgetär von Saison zu Saison gehantelt.

Keine Holding-Doppelführung

Apropos Geld: Davon sollen die Häuser ab 1. Jänner 2016 mehr sehen. Die geforderte Valorisierung der Mittel (also ihre Anpassung an die steigenden Löhne) hat es zwar nicht in den Entwurf geschafft. Die Basisabgeltung, seit langem weitgehend eingefroren, steigt mit Jahresbeginn aber um 14 Millionen Euro auf deren 162,9. Laut Ostermayer bedeute dies nicht, dass es nun wieder für lange Jahre bei einer eingefrorenen Summe bleibt: Der Bund könne, so dies nötig und sinnvoll sei, einen finanziellen Zusatzbeitrag leisten; das war bisher nur im Falle von Bauprojekten möglich. Was dagegen künftig sinkt, ist die Zahl der Eigentümervertreter: Waren bisher 40 in den Aufsichtsräten tätig, werden es künftig nur mehr 30 sein.

Eine Idee, die unter den Direktoren für helle Aufregung gesorgt hatte, wird vorerst nicht realisiert: Die Holding erhält keine Doppelspitze, oder, wie es nun vage heißt, nur "bei Bedarf". Ostermayer hätte diese Variante bevorzugt, um das Vier-Augen-Prinzip auch in der obersten Konzernetage zu installieren. Die Direktoren fürchteten dagegen, der Minister wolle ihnen nicht nur einen kaufmännischen Holdingleiter, sondern auch einen künstlerischen vorsetzen - woran Ostermayer, wie er sagt, nie gedacht hätte. Derzeit ist Günter Rhomberg interimistisch Holding-Chef, der Posten soll im Herbst neu ausgeschrieben werden.