Wien. (irr) "Der Bankomat muss wieder anspringen, Strukturmaßnahmen setzen wir nicht." Glaubt man Beate Meinl-Reisinger, ist dies das heimliche Credo der Österreichischen Bundestheater: Die drei Häuser - Staatsoper, Volksoper und Burgtheater - seien so kostenintensiv wie reformunwillig, und daran würde auch die geplante Gesetzesnovelle von Minister Josef Ostermayer nichts ändern.

Bereits in der Vorwoche hatten Meinl-Reisinger, Kultursprecherin der Neos, ihre Kollegen Wolfgang Zinggl (Grüne) und Walter Rosenkranz (FPÖ) den Entwurf getadelt: Er führe den Bühnen unnötig viel frisches Geld zu, schwäche die parlamentarische Kontrolle und stärke vor allem Ostermayer, der künftig alle Geschäftsführer ernennen und über die Verteilung der Geldmittel bestimmt darf. In einem weiteren Pressetermin setzte das Trio jetzt nach: Es wirft der Regierung nicht nur mangelnde Auskunftsfreude auf parlamentarische Anfragen vor, sondern gezielte Verheimlichung. Pikantes Detail: Erst die Aufklärungsbemühungen der Opposition hätten eine Studie ans Licht gebracht, die den Staatsbühnen ein Einsparungspotenzial von 21,69 Millionen Euro attestierte - ein Papier, das nie aus dem Ministerium zum Rechnungshof gelangt sei.

"Versagen auf allen Ebenen"

Dieser ist eingeschritten, nachdem der Burg-Skandal aufgeflogen war: Eine dubiose Buchhaltung hatte, wie im Vorjahr herauskam, ein Millionenloch in den Bilanzen kaschiert. Doch auch die Volks- und Staatsoper kämpften mit Problemen: Angesichts steigender Personalkosten und eingefrorener Subventionen klagten sie über Geldnot. Ex-Ministerin Claudia Schmied scheiterte bei dem Versuch, Abhilfe zu schaffen. Erst Nachfolger Ostermayer ist das Kunststück gelungen: Ab 2016 erhalten die Häuser um 14 Millionen Euro mehr.

Aber ist dieses Geld wirklich nötig? Oder tragen nicht vielmehr Holding, Ministerium und suboptimale Strukturen die Schuld an zunehmend roten Zahlen? Um den Bühnenkonzern zu durchleuchten, richtete die Opposition im Vorjahr einen sogenannten kleinen U-Ausschuss ein; bis zum 15. April hat er sieben Mal getagt. Die Ergebnisse sind seit Donnerstag publik, werden aber grundverschieden gelesen. Wie berichtet, kommt die Regierungsseite zu denkbar milden Schlüssen: Erstens seien dem Ministerium und der Holding keine Verfehlungen nachzuweisen, zweitens sei eine Erhöhung der Basisabgeltung - bei gleichbleibendem Programmangebot - nötig und drittens die kommende Novelle der richtige Weg. In allen drei Punkten widerspricht die Opposition und ortet ein Versagen auf allen Kontrollebenen.

Nun ist freilich zu sagen, dass die Regierung ihre Bühnen in den Vorjahren sehr wohl durchleuchten ließ, etwa in Form einer Effizienzanalyse von Ernst & Young: Die Wirtschaftsprüfer rechneten ein Optimierungspotenzial von 14,15 Millionen Euro vor. Auf dieser Basis erarbeitete die Holding ein Programm, das (nach ihren Angaben) in fünf Jahren zwölf Millionen Euro erbrächte. Der Rechnungshof (RH) konnte in dem Konvolut allerdings nur ein Potenzial von 5000 Euro orten; viele der genannten Schritte seien nämlich schon gesetzt gewesen. Insgesamt sprach der RH im Vorjahr von Führungsschwäche und teuren Evaluierungen ohne viel Konsequenzen.

Und ein Teil dieser Evaluierungen ist, so scheint es, erst jetzt bekannt geworden. Flankierend zur Analyse von Ernst & Young hatten der Wirtschaftsprüfer Richard Bock und der Theaterexperte Gerd Leo Kuck im Jahr 2010eine Studie erstellt. Mit Verweis auf die Personalfülle im künstlerischen Betrieb nahmen sie anfangs ein Sparpotenzial von bis zu 30 Millionen Euro an. Eine schwarze Null, so Kuck damals, ließe sich noch fünf Jahre erwirtschaften, auch wenn die Arbeit im Konzern dann "ungemütlicher" werde. Weil das Ministerium diese Studie offenbar nicht an den Rechnungshof weitergeleitet hat, überlegt Wolfgang Zinggl nun, eine Anzeige einzubringen.

"Kein Vertuschen"

SPÖ-Kultursprecherin Elisabeth Hakel behauptet dagegen, dass "von Vertuschen oder Verdecken nicht die Rede sein kann". In ihrem Bericht zum Ausschuss würde sich die Opposition nur jene Stellungnahmen herauspicken, die ihre Sichtweise unterstütze, den Rest lasse sie unter den Tisch fallen. Ostermayer selbst habe im Vorjahr die RH-Prüfung angeregt sowie eine Strukturanalyse, die zum Entwurf der Gesetzesnovelle geführt hat.