Bad Ischl. Die Bandbreite ihres künstlerischen Schaffens ist denkbar weit gefasst: Am Höhepunkt einer Blitzkarriere als Schlager- und Filmstar (1951 bis 1956) wechselte Renate Holm ins Operettenfach an die Wiener Volksoper. 1961 engagierte sie Herbert von Karajan an die Wiener Staatsoper, wo sie zu den führenden Sopranistinnen ihrer Zeit avancierte (1961 bis 1991) und an den wichtigsten Opernhäusern der Welt gastierte. Parallel zu ihrer nunmehr sechs Jahrzehnte währenden Konzerttätigkeit übernahm Renate Holm auch Sprechrollen am Theater. Im Rahmen des Lehár Festivals erweitert sie ihr Repertoire nun mit Musical.

Wiener Zeitung: Das Musical "My Fair Lady" scheint Sie hartnäckig zu verfolgen: Als Hubert Marischka Sie 1957 an die Volksoper engagierte, hatten Sie zeitgleich das Angebot, in Berlin im Theater des Westens die deutschsprachige Uraufführung dieses Werkes zu singen.

Renate Holm: Ja, hätte ich damals die Eliza gesungen, wäre der Weg wahrscheinlich in Richtung Musical gegangen.

Sie entschieden sich damals für den schwierigeren Weg...

...und ich habe es nie bereut! Die klassische Musik hat mich zwar in höchstem Maße gefordert, aber zugleich unbeschreiblich bereichert.

Zögerten Sie damals tatsächlich keine Sekunde, inmitten einer erfolgreichen Schlager- und Filmkarriere zu sagen: Ich will nur noch Oper singen?

Nein, Opernsängerin zu werden war mein größter Traum.

Wie reagierten damals die hiesigen Kammersänger, dass plötzlich eine junge Kollegin Hauptrollen singt, die im Jahr zuvor für Deutschland den Song Contest (1956) gewonnen hatte?

Am Anfang war es schon ein Spießrutenlauf.

Wie schafften Sie es, Ihre Kollegen zu überzeugen?

Nur mit Leistung. Dadurch war der Druck noch größer, vielleicht ebenfalls ein Grund für mein übergroßes Lampenfieber. Ich musste immer die höchsten Leistungen erbringen, 100 Prozent haben nicht gereicht, um zu überzeugen.

Wieso kam nun, fast 60 Jahre später, doch noch der Wunsch auf, in "My Fair Lady" mitzuwirken?