Das "Star Tours"-Projekt in Disneyland wurde 1987 von Disney-CEO Michael Eisner und Filmregisseur George Lucas gemeinsam eröffnet.
Das "Star Tours"-Projekt in Disneyland wurde 1987 von Disney-CEO Michael Eisner und Filmregisseur George Lucas gemeinsam eröffnet.

Los Angeles/Anaheim. Die Deutschen sind ja schnell einmal schuld an allem, und das in der Regel nicht zu unrecht. Was auch daran liegt, dass sie scheinbar überall sind und waren; fast kein Fleckchen Erde, auf dem sie keine Spuren hinterlassen haben, manchmal im Guten, meistens im Bösen. Oder, um es mit dem Schwiegersohn von Wolfgang Schäuble zu sagen: Wenn "der Grieche" heute wirklich "genug genervt" hat, dann hat "der Deutsche" die Geduld des Rests der Welt schon lange erschöpft. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Mehrheit Europas jüngst entschieden hat, dass der Staatenbund am deutschen Eurowesen genesen soll und nicht, zum Beispiel, am französischen.

Wie weit das mit dem deutschen Spuren hinterlassen im Rest der Welt geht, wird einem indes oft erst ganz weit weg bewusst. Dass sogar Mickey Maus ohne Deutschland in gewisser Hinsicht nicht denkbar ist, überrascht einen aber dann doch. Man schrieb das Jahr 1857, und Deutschland gab es noch nicht einmal unter diesem Namen, als 50 Auswanderer aus den diversen Kurfürstentümern unweit der kalifornischen Küste ihre Zelte aufschlugen.

17 Millionen Dollar auf halbem Quadratkilometer investiert

An der Wiege von Disneyland: Walt Disney mit einer Kutsche voller Kinder im Juli 1954. - © Bettmann/corbis
An der Wiege von Disneyland: Walt Disney mit einer Kutsche voller Kinder im Juli 1954. - © Bettmann/corbis

Nachdem der örtliche Fluss schon von den vormaligen Besitzern, den Mexikanern, benannt worden war, kam man auf die Idee, zumindest den Namen der neuen Siedlung insofern einzudeutschen, als man ihn buchstäblich einheimste. So enstand an den Gestaden des Santa Ana River das Örtchen Anaheim, das sich binnen seiner ersten hundert Jahre zur Stadt auswuchs.

Aber erst, was dann passierte, machte die deutsche Gründung zur Weltmarke - und zum Ursprungsort einer bis heute nicht versiegenden Geldquelle. Vor 60 Jahren, am 17. Juli 1955, eröffnete dort, nach einer Bauzeit von nur einem Jahr, der seinerzeit größte Themenpark der Welt. 17 Millionen Dollar hatte Gründer Walt Disney der Spaß gekostet, der Grund umfasste etwas mehr als einen halben Quadratkilometer.

Heute strömen 14 Millionen Menschen im Jahr auf das Gelände des Disneyland Park in Anaheim, Südkalifornien, und lassen dort in diesem Zeitraum rund drei Milliarden Dollar liegen. Die Idee zu Disneyland war Disney senior während der Errichtung seiner bis heute existierenden Studios in Burbank gekommen. Weil er sich in der wenigen Zeit, die er mit seinen Kindern verbrachte, von den seinerzeit bestehenden Angeboten nur unzureichend unterhalten sah, beschloss er, etwas gänzlich Neues zu bauen: einen Vergnügungspark, an dem man nur einmal Eintritt zahlen musste, um alle Attraktionen nutzen zu können. Eine simple, damals aber revolutionäre Idee.