Wünscht sich mehrInitiative beim Sponsoring: Rhomberg. - © Foto: Stanislav Jenis
Wünscht sich mehrInitiative beim Sponsoring: Rhomberg. - © Foto: Stanislav Jenis

Ohne Veränderung droht den Bundestheatern erneut ein Millionendebakel, sagt Günter Rhomberg im Gespräch. Der interimistische Holding-Chef mahnt Innovationsgeist ein und verteidigt die seit September gültige Bundestheater-Novelle.

"Wiener Zeitung":Kritiker sehen in der Holding neu eine zahnlose Vorfeldorganisation des Kulturministeriums, da Schlüsselkompetenzen - wie die Geldvergabe an die Häuser - künftig von Josef Ostermayer und nicht mehr holdingintern geregelt werden. Sie haben sich immer für eine starke Holding ausgesprochen. Wie beurteilen Sie die neue Konstruktion?

Günter Rhomberg:Positiv, schließlich habe ich an der Novelle beratend mitgewirkt. Übrigens handelt es sich um einen Irrtum, dass das Ministerium bei der Geldverteilung über neue Kompetenzen verfügt. Es war immer so und kann gar nicht anders sein, dass in letzter Konsequenz der Eigentümer - nämlich das Ministerium - über die Vergabe der Mittel entscheidet. Aber der Minister entscheidet auf Basis eines Vorschlags der Holding. Es ist noch nie dagewesen, dass ein Minister diesen Vorschlag nicht angenommen hätte. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was passierte, wenn er abgelehnt werden würde. Die Verteilung der Basisabgeltung erfolgt nicht über einen fixen Schlüssel, sondern ist eine diffizile Angelegenheit, in die viele Überlegungen und Abwägungen miteinfließen. Ich habe mir das auch einfacher vorgestellt. Eine Neuerung der Novelle ist aber, dass die Holding künftig nur mehr verpflichtet ist, die Geschäftsführer der einzelnen Bühnen anzuhören, und nicht unbedingt ein Einvernehmen mit ihnen finden muss.

Worin liegt denn der Unterschied zwischen "Anhörung" und "Einvernehmen finden"?

Der Unterschied mag nur graduell sein, aber er versetzt den Geschäftsführer der Holding dennoch in eine stärkere Position als früher. Schließlich ist er verantwortlich für alle wirtschaftlichen und organisatorischen Agenden innerhalb der Holding und ihrer Töchterunternehmen.

Ist das tatsächlich so? Beim Finanzskandal im Burgtheater entstand ein gegenteiliger Eindruck: Einer wälzte die Verantwortung auf den anderen ab - am Ende war niemand schuld. Die Gerichte sind noch immer mit der Beweisführung beschäftigt.

Die Bundestheater sind durch die Krise ins Gerede gekommen. Ich verstehe bis heute nicht, wie man so spät entdecken konnte, dass viel Geld gefehlt hat. Es kann doch nicht sein, dass ein Geschäftsführer der Holding nicht bemerkt, wenn in einem Unternehmen zu viel ausgegeben wird, falsche Abschreibungen unternommen werden und so weiter. Der Casus hat uns das gesamte Vorjahr belastet, uns aber auch die Chance gegeben, verstärkt unternehmerisch zu handeln.

Sie sprechen von einer gestärkten Holding-Geschäftsführung. Tatsächlich ist es Ihnen aber nicht gelungen, die geforderte Valorisierung der Subvention in der Novelle durchzusetzen. Außerdem: Die kaufmännischen Geschäftsführer der Tochtergesellschaften, bisher von der Holding ernannt, werden künftig auch vom Kulturminister bestellt.

Im ersten Punkt haben Sie recht. Zum zweiten muss ich aber sagen: Sollte die Bestellung eines Geschäftsführers notwendig werden, wird dieser Posten zeitgerecht von der Holding ausgeschrieben. Das heißt also, die Suche wird von uns ausgehen.

Das ändert nichts daran, dass künftig der Minister entscheidet.

Man kann aber ohnehin nicht annehmen, dass er bei solchen Entscheidungen nur zuschaut.

Die Novelle fordert nunmehr Dreijahrespläne für die Bühnen ein. Wie ist der aktuelle Stand?

Bis Mitte Oktober muss ich dem Holding-Aufsichtsrat und dem Ministerium verbindliche Planungsbudgets für drei Jahre - also bis 2018 - vorlegen. Wir sind gerade mitten in den Verhandlungen. Das Verhandlungsergebnis, das Minister Ostermayer erzielte und das den Bundestheatern ab der Saison 2016/17 jedes Jahr gleichbleibend 14 Millionen Euro mehr bringt, ist positiv. Mehr war nicht drin. In der Realität bedeutet das aber, dass die Gruppe weniger Geld zur Verfügung hat als vorher.

Wie kommt das?

Die großen Verluste sind bekanntlich dadurch entstanden, dass über viele Jahre hinweg die Basisabgeltung nicht an die kollektivvertraglichen Lohnerhöhungen angepasst wurde. Anfangs löste man die Rücklagen der Staatsoper auf, um das Minus bei Burgtheater und Volksoper aufzufangen. Als nichts mehr da war, trat der Verlust in voller Höhe zu Tage. Das war der Schock von 2014. Als Zwischenlösung müssen die Bundestheater nun Vermögen auflösen.

Es werden Immobilien veräußert. Sie haben diese Praxis öffentlich kritisiert.

Natürlich ist das nicht optimal, das "Tafelsilber" zu verkaufen, aber politisch ist es nicht anders machbar. Man kann nicht Vermögen bewahren und die ganze Schuldenlast auf die Steuerzahler abwälzen.

Wie viel bringen die Verkäufe?

Die Immobilienverkäufe sollen dem Unternehmen von 2014 bis 2016 - der Prozess ist noch im Gang - ungefähr 33 bis 35 Millionen Euro bringen. Für die Spielzeit 2014/15 und 2015/16 sind das jährlich zusätzlich etwa 17 Millionen Euro. Danach wird es, entsprechend der Novelle, aber nur mehr eine Erhöhung von 14 Millionen Euro geben. Ab 2016/17 müssen die Bühnen in jeder Spielzeit also mit drei Millionen weniger auskommen - und das bei weiter steigenden Kosten. Es ist absehbar, dass die Finanzlücke bis 2018 auf 12 bis 15 Millionen anwachsen wird.