Auf der Flucht: Mohamed Mouaz filmt seine Flucht. - © G. Rauscher
Auf der Flucht: Mohamed Mouaz filmt seine Flucht. - © G. Rauscher

Lampedusa. Mittlerweile ist die Stadt im Süden Italiens sehr bekannt. Gilt sie doch als der Ort, an dem tausende Flüchtlinge ankommen, wenn sie die Fahrt über das Mittelmeer hinter sich gebracht haben. Die Bilder der Menschen, die erschöpft und erleichtert von den Booten drängen gingen durch ganz Europa. Am kommenden Sonntag findet während des Kulturfestivals Wienwoche ein Programmabend zur derzeitigen Flüchtlingskrise statt.

Der Komponist Dieter Kaufmann hat sich mit der Lage in Lampedusa musikalisch auseinander gesetzt. In dem Musiktheaterwerk "Lampedusa" wird indes nicht nur gesungen. Die Sänger erzählen, stellvertretend für die Flüchtlinge, authentische Berichte von der Flucht. "Es ist ein multimediales Musiktheater, bei dem auch Zelte aufgebaut werden, in denen Bühnenobjekte und Videozuspielungen zu sehen sind", sagt Kaufmann. Anschließend wird der Film "Auf nach Europa" von Mohamed Mouaz gezeigt.

Fluchterlebnisse

"Es ist meine Aufgabe als Komponist und als Staatsbürger, dass ich mich mit dieser Thematik auseinandersetze", sagt Kaufmann. Die Idee zu "Lampedusa" sei vor gut einem Jahr entstanden.

Gemeinsam mit der Gesangslehrerin Elisabeth Sykora habe er sich auf die Suche nach Jugendlichen im Alter von 14 bis 20 Jahren gemacht, die in dem Stück singen und die Geschichten der Flüchtlinge erzählen. "Unsere vier Sänger sind Schüler von Elisabeth und waren von Anfang an überaus engagiert", sagt Kaufmann. Die Jugendlichen haben Flüchtlinge getroffen, die ihnen über ihre Flucht berichtet haben. "Die Jugendlichen haben sich selbst ausgesucht, welche Geschichte sie erzählen möchten und die Texte dazu geschrieben", sagt Kaufmann. Die gesungenen Texte, zu denen Kaufmann die Musik komponierte, stammen aus Elfriede Jelineks Bühnenstück "Die Schutzbefohlenen".

Fluchtroute

"Ich habe mir 16 Passagen ausgesucht, die mir besonders gut gefallen haben", sagt Kaufmann. Begleitet werden die vier Sänger von einem Akkordeon und einem Schlagzeug. Neben dem Gesang und den Geschichten der Flüchtlinge sind auch Zelte aufgebaut. "Darin sind nicht das Meer oder die Asylanten zu sehen. In diesen Zelten ist das Nichts zu Hause. Die Verlorenheit und das Gefühl nicht zu wissen, wohin man gehen soll, wird darin auf abstrakte Weise dargestellt", so Kaufmann.

Während Lampedusa eine Reflexion der derzeitigen Situation in Form von einem Kunstwerk ist, zeigt der Film "Auf nach Europa" in einer Dokumentation eine reale Fluchtroute.

Der Filmregisseur Mohamed Mouaz ist vor zehn Jahren aus Algerien geflohen. In "Auf nach Europa" hat er noch einmal sechs wichtigen Stationen seiner Flucht bereist: Istanbul, Edirne, Swilengrad, Sofia, Bukarest und Budapest. "Auf der Flucht ist mein bester Freund im Meer ertrunken", so Mouaz. "Ich möchte ihm den Film widmen und jedem zeigen, dass wir Flüchtlinge Überlebenskämpfer sind."