"Wiener Zeitung": Ihre Bilanz als Kunstmäzen war schon bisher eindrucksvoll: Sie haben unter anderem den Tiroler Festspielen Erl ein Haus gebaut und die Kunstsammlung Essl gerettet. Warum stellen Sie nun auch noch dem Künstlerhaus das Geld für die - sehnlich begehrte - Generalsanierung in Aussicht?

Hans Peter Haselsteiner:Einerseits: Das Künstlerhaus ist eine Ruine. Ich dachte, da wird schon jemand erwünscht sein, der es herrichtet. Andererseits war ich auf der Suche nach einem Haus in Wien, in dem ich unter anderem die Sammlung Essl zeigen kann. Die Pläne gehen mittlerweile aber weit darüber hinaus. Jetzt wollen wir - mit der Albertina als Partner, aber auch einer Reihe Privater - in dem Haus ein Museum für die zeitgenössische Kunst Österreichs einrichten, weil es so etwas nicht gibt.

Das 21er Haus und das Mumok sehen Sie nicht als solche Museen?

Die zeigen das unter anderem. Wir reden aber nicht von "unter anderem", sondern "ausschließlich".

Sie bieten dem Besitzer des Künstlerhauses, der Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs, 30 Millionen Euro für die Sanierung; im Gegenzug möchten Sie ein Viertel der Nutzfläche. Was soll darauf konkret gezeigt werden?

Der Zugriff auf die Sammlung Essl wird gegeben sein, genauso wie ich hoffe, dass man mit anderen Sammlungen kooperieren kann. Es gibt ja viele, die in der Öffentlichkeit wenig bekannt sind. Die Sammlungen des Verbunds etwa, der Wiener Städtischen, der Raiffeisen: Da gibt es dutzende. Auch die Sammlung der Strabag war bisher nur einem sehr eingeschränkten Kreis zugänglich. Mich würde es am meisten reizen, wenn wir die neue Institution als "Museum der Republik" verstehen würden. Wir wollen das generalsanierte Künstlerhaus ja im September 2018 wiedereröffnen, 100 Jahre nach Gründung der Ersten Republik und zum 150-Jahr-Jubiläum des Gebäudes. Man könnte in dem neuen Museum die eine oder andere große Personale zeigen, auch Schwerpunkt-Ausstellungen; es gäbe viele interessante Projekte.

Wollen Sie selbst programmieren?

Nein. Ich bin kein Experte, sondern ein interessierter Laie. Die Leitungsfunktion muss natürlich in Expertenhand liegen.

Soll es einen Direktor geben?

Geplant sind mehrere Kuratoren, die wir abwechselnd beschäftigen, je nach Thema und Aufgaben.

Wie weit sind Ihre Gespräche mit Sammlern gediehen?

Noch ganz am Anfang. Ich habe Herbert Liaunig heuer zum Ausbau seines Museums in Neuhaus gratuliert, da haben wir auch über mein Projekt geredet. Ich werde auch Heinz Angerlehner besuchen, und ich werde mit meinen Freunden in den Chefetagen der großen Firmen mit Sammlungen reden und bin überzeugt, dass es ein gemeinsames Interesse gibt, nämlich die in Österreich gesammelte Kunst der Nachkriegszeit konzentriert an einem Platz der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Bis jetzt haben Sie aber noch nicht das Okay der Künstlerhaus-Gesellschaft. Die hat zwar jüngst Michael Pilz, der Ihre Pläne befürwortet, als Präsidenten wiedergewählt; die Abstimmung über Ihr Angebot wurde aber auf Mitte November verschoben. Für ein Ja bedarf es einer einfachen Mehrheit der Generalversammlung. Wie wahrscheinlich ist diese Zustimmung Ihrer Meinung nach?

Das weiß ich nicht, ich bin ja nicht die Gesellschaft der Künstlerinnen und Künstler. Ich hoffe natürlich darauf. Ich hätte aber auch anderweitige Verwendung für 30 Millionen Euro.

Wenn der Verein Ihre Hilfe annimmt, wollen Sie im Gegenzug ins Grundbuch und zu 74 Prozent Miteigentümer des Hauses sein. Warum?

Wofür soll ich sonst 30 bis 31 Millionen Euro ausgeben?

Ihre Bedingung macht einigen Künstlern jedenfalls Angst vor einer feindlichen Übernahme.

Es gibt immer ein paar, die Angst haben, die etwas nicht verstehen wollen oder grundsätzlich dagegen sind. Es gibt aber hoffentlich auch diejenigen, die abwägen und feststellen, dass dieser Vorschlag vernünftig ist. Denn er führt das Künstlerhaus wieder jenem Zweck zu, zu dem es einst den Künstlern geschenkt worden ist, nämlich der zeitgenössischen Kunst. Und nicht, dass dort auch ein Lokal namens Bergstation untergebracht wird. Das hat sich Kaiser Franz Joseph, Gott hab ihn selig, wohl nicht gewünscht.

Fliegt die Bergstation raus, wenn Sie grünes Licht bekommen?

Das ganze Haus wird umgebaut und in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt; da fliegen alle raus. Danach wird man sich die Frage stellen, wer zu einem revitalisierten, grunderneuerten Künstlerhaus passt; ich glaube nicht, dass eine "Bergstation" dann besonders attraktiv ist.

Könnte es im Zuge der Generalsanierung zu einem Ausbau kommen?

Ich habe mich darauf festgelegt, nichts zu tun, was den Wiedereröffnungstermin am 1. September 2018 gefährden könnte. Darum halte ich Ausbaupläne nicht für vordringlich. Ob man sie in einer zweiten Phase realisiert, kann man in aller Ruhe prüfen.

Die Bundesregierung plant, Spenden an große Kulturinstitutionen steuerlich absetzbar zu machen. Was halten Sie davon?

Es wäre ein wichtiger Schritt, um den Kunstbetrieben eine Finanzierungsquelle abseits staatlicher Förderung zu erschließen, die ja wegen des Zwangs zur Budgetkonsolidierung zurückgefahren wird. Ich denke, es ist geboten, diesbezüglich Hilfe zu unterstützen. Es wäre förderungswürdig, dass sich Stiftungen und wohlhabende Individuen hierzulande mehr zur Förderung von Kunst und Kultur bekennen; ich hoffe auch, dass ich da ein bisschen beispielgebend wirke. Ohne Kultur wären wir eine nicht beseelte Gesellschaft.