Wien. Wir verwenden viel Energie für die Klärung unseres Abwassers, dabei könnte man daraus sogar Strom gewinnen. Wie das möglich wird, erforscht ein Wissenschafterteam mit Beteiligung der Technischen Universität (TU) Wien im Rahmen des EU-Projekts "PowerStep".

Kläranlagen gehören zu den größten Stromverbrauchern vieler Gemeinden. Die Energie, die heute in der Europäischen Union für die Reinigung des Abwassers benötigt wird, entspricht im Mittel der Produktion von zwei großen Kraftwerken - das entspricht mit knapp 16.000 Gigawattstunden pro Jahr einem Prozent des Energieverbrauches in der EU. Dabei wäre es den Wissenschaftern zufolge durchaus möglich, Kläranlagen so zu planen und zu betreiben, dass sie keinen Strom verbrauchen, sondern stattdessen sogar Energie aus erneuerbaren Quellen ins Stromnetz speisen.

Demonstrationsanlage in Tirol

Die Möglichkeit der Umsetzung sollen große Demonstrationsanlagen zeigen. Das Forschungsteam um Projektleiter Jörg Krampe von der TU Wien will auf der Kläranlage Kirchbichl in Tirol ein innovatives Konzept der Prozesswasseraufbereitung implementieren und damit zur Energieoptimierung der Kläranlage beitragen. Dabei soll der Kohlenstoff im Abwasser energetisch besser genutzt werden. Der Stickstoff wiederum soll mit innovativen biologischen Prozessen effizienter entfernt werden. Der Methananteil im produzierten Biogas wird erhöht, um die Einspeisung in das Gasnetz zu ermöglichen. Mit Hilfe anaerober Bakterien kann man aus Klärschlamm Biogas herstellen, das dann durch Verstromung in einem Gasmotor und Verwendung der Abwärme energetisch effizient genutzt wird. "Die Reinigungsleistung der Kläranlage soll dabei jedoch nicht beeinträchtigt werden", erklärt Vanessa Parravicini, Projektassistentin am Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft der TU Wien.

Zusätzlich sollen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, den Strombedarf der Kläranlage etwa durch smarte Speicherstrategien und besseres Energiemanagement zu senken. Eine Einsparung von mindestens 50 Prozent des benötigten Stromes wird dabei angestrebt.

Das Ziel dieses mit 5,2 Millionen Euro gespeisten Projekts ist die Entwicklung einer sogenannten energiepositiven Kläranlage. Betrachtet man das gesamte in der EU anfallende Abwasser und das darin enthaltene organische Material, errechnet sich daraus ein Energiepotenzial von 87.500 Gigawattstunden pro Jahr.