Wien.Es ist einer der wichtigsten Jobs der Kulturnation Österreich: Wer die Bundestheater-Holding leitet, der steht, jedenfalls formal betrachtet, über den Direktoren von Staatsoper, Volksoper und Burgtheater. Vom Kulturminister gekürt, soll er jener umsichtige Steuermann sein, der den Tanker Bundestheater auch in schwierigen Zeiten auf Kurs hält.

Ein solcher Navigator wird nun wieder gesucht: Im September hat Kulturminister Josef Ostermayer den Posten ausgeschrieben, bis Ende Oktober sind 15 Bewerbungen eingegangen. Elf Einsendungen stammen aus dem Inland; zwei Frauen haben Interesse angemeldet. Wie bei bisherigen Besetzungen arbeitet Ostermayer mit einer Findungskommission. Unter der Leitung von Max Kothbauer hat sie am Sonntag Hearings veranstaltet. In den nächsten Tagen will Ostermayer selbst Gespräche führen; angeblich sind sechs Personen in der engeren Auswahl. "Zeitnah", jedenfalls vor Weihnachten, soll es eine Kür geben.

"Nicht mehr der gleiche Job"

Eine rasche Entscheidung ist auch nötig: Mit Jahresende räumt Günter Rhomberg den Posten, den der Vorarlberg auch nur interimistisch bekleidet hat. Rhomberg war im Juli 2014 Nachfolger des langjährigen Holding-Chefs Georg Springer geworden. Dieser war damals - spät, aber doch - in den Sog des Finanzskandals am Burgtheater geraten, bei dem im Vorjahr sukzessive ein Millionenloch zum Vorschein kam. Wer dafür verantwortlich ist - die gefeuerten Geschäftsführer Silvia Stantejsky, Matthias Hartmann oder auch übergeordnete Instanzen -, beschäftigt weiterhin die Gerichte.

Der Skandal sorgte aber nicht nur für Personalwechsel, sondern auch für ein novelliertes Bundestheatergesetz, das seit September in Kraft ist. Es gewährt den Häuser einerseits mehr Geld (plus 14 Millionen Euro pro Saison) und soll die Holding als Kontrollmacht stärken. Andererseits nimmt es den Konzern an die kurze Leine: Hatte früher der Holding-Chef die kaufmännischen Leiter der Bühnengesellschaften ernannt, tut dies künftig der Minister. Auch die Aufteilung der Subventionen (der sogenannten Basisabgeltung) behält er sich vor.

Damit sei die Macht des Holding-Chefs gebrochen, meint ein Kenner der Materie und ehemaliger Aufsichtsrat der Bundestheater. "Ich bewundere jeden, der sich für den Posten beworben hat - zu reden hat er nicht viel. Summa summarum ist das nicht mehr der gleiche Job wie unter Springer."