Los Angeles. Das mit der Politik hätten sie nicht wirklich hingekriegt, klagt der Biograf, aber gut. Es handle sich am Ende eben doch um ein Produkt aus Hollywood, und "entsprechend wäre zu viel Politisiererei der Dramaturgie wahrscheinlich nicht gut bekommen". Larry Ceplair ist emeritierter Geschichte-Professor, in seinem Spezialgebiet gilt der 72-Jährige landesweit als Koryphäe: jener sich von der zweiten Hälfte der Vierziger- bis in die Fünfzigerjahre spannenden Ära, in dem die Mitglieder des sogenannten "House Un-American Activities Committee" reihenweise Menschen vorführten, die sie, zu Recht wie zu Unrecht, der Sympathien für den seinerzeit real existierenden Sozialismus bezichtigten. Die Frage: "Sind Sie derzeit oder waren Sie jemals Mitglied der Kommunistischen Partei?" gilt seither als fest im kollektiven Gedächtnis der Nation verankert; und bis heute ist es von Gesetz wegen unmöglich, als Einwanderer zum US-Staatsbürger zu werden, wenn man einer kommunistischen Partei angehört oder irgendwann einmal angehört hat (Ausnahmegenehmigungen müssen gesondert beantragt werden).

Querköpfiger Autor

Zu nämlichem Thema hat Ceplair in den vergangenen Jahren zahlreiche Werke veröffentlicht, unter anderem 2003 das Standardwerk "The Inquisition in Hollywood" (University of Illinois Press). Die Tatsache, dass der jahrzehntelang am Santa Monica College lehrende Historiker dieser Tage weniger als solcher denn als Filmkritiker gefragt ist, verdankt er indes seinem aktuellen Werk. "Dalton Trumbo: Blacklisted Hollywood Radical" ist die geschichtswissenschaftlich zertifizierte Lebensgeschichte eines der bemerkenswertesten Charakter- und Querköpfe, die die amerikanische Filmindustrie je hervorgebracht hat. Die Aufmerksamkeit, die dem Buch derzeit zuteil wird, speist sich aber kaum aus seiner Auflage als daraus, dass in den US-Kinos jüngst das Biopic "Trumbo" anlief. Die Hauptrolle spielt Bryan Cranston, seit der Darstellung des krebskranken Meth-Produzenten Walter White aka Heisenberg in dem Fernsehepos "Breaking Bad" ein Superstar. So einen Status erreichte der von ihm Dargestellte zeit seines Lebens nie. Dafür war seine Arbeit zu sehr hinter den Kulissen verortet, buchstäblich.

Dalton Trumbo (1905-1976) verdiente sein Geld als Drehbuchautor und Schriftsteller, und das überaus erfolgreich. Zu dem Zeitpunkt, als er - unter anderem gemeinsam mit Bertolt Brecht - vor das berüchtigte House Committee für "unamerikanische Aktivitäten" geladen wurde, galt er als bestbezahlter Dialogschmied Hollywoods. Weil sich Trumbo vor den Abgeordneten des Ausschusses aus Prinzip aber jeder Aussage entschlug, weil er sich in seinen Grundrechten verletzt sah und schon gar nicht der Aufforderung nachkommen wollte, Kollegen zu denunzieren (wie es etwa der Regisseur Elia Kazan tat), wanderten er und neun seiner Gefährten für mindestens sechs Monate ins Gefängnis. Trumbo selbst blieb fast ein Jahr eingesperrt.

Hatte er den Aufenthalt im Zuchthaus noch relativ gut überstanden, traf den dreifachen Vater das Arbeitsverbot ungleich härter. Wie der Rest der "Hollywood Ten", wie die Aussageverweigerer fortan genannt wurden, war er auf der "Schwarzen Liste" seiner früheren Arbeitgeber gelandet, der großen Hollywood-Studios. Dessen Bosse hatten sich allesamt dem politischen Druck aus Washington gebeugt. Die von dort ausgehende anti-kommunistische Hexenjagd der Nachkriegsjahre steuerte zum Zeitpunkt von Trumbos Entlassung 1950 gar erst ihrem Höhepunkt entgegen, mit der Bestellung des so paranoiden wie korrupten Senators Joseph McCarthy.

Anders als viele seiner schwarzgelisteten Kollegen ließ sich Trumbo aber nicht entmutigen. Sein Ausweg: Er schrieb fortan unter Pseudonym, beziehungsweise veröffentlichte seine Arbeiten unter dem Namen von Freunden aus der Branche, die nach wie vor zu ihm standen. Nachdem die großen Studios als offizielle Auftraggeber ausfielen, fand Trumbo eine neue Heimat unterm Dach der Gebrüder Frank und Hymie King, so stadtbekannten wie notorischen Produzenten von B- und C-Filmen (in "Trumbo" werden sie genial dargestellt von John Goodman und Stephen Root). Die Kings zahlten ihm zwar vergleichsweise einen Bettel und gaben ihm Aufträge für die abartigsten Horror- und Science-Fiction-Billigproduktionen, aber sie scherten sich nicht um Trumbos politische Ansichten. Belohnt wurden sie dafür mit nicht weniger als einem Oscar: 1956 gewann Trumbos "The Brave One", die bewegende Geschichte eines mexikanischen Jungen, der von klein auf einen Stier aufzieht und in der Folge darum kämpft, dass der nicht in der Kampfarena endet. Offiziell geschrieben hatte die Story ein Herr Robert Rich.

Die Karriere geht weiter

Was seinerzeit nur sein engster Freundeskreis wusste: Es war bereits Trumbos zweiter Oscar. Seinen ersten hatte Ian McLellan 1953 für "Roman Holiday" (mit Audrey Hepburn und Gregory Peck in den Hauptrollen) entgegengenommen, der sich bereiterklärt hatte, Trumbos Drehbuch unter seinem Namen zu veröffentlichen.