Im Grünbaum-Fall klagen die Erben nach Fritz Grünbaum einen renommierten Londoner Kunsthändler und haben angekündigt, den Bund zu klagen. Nachdem das ein schwebendes Verfahren ist, möchte ich dazu nichts sagen. Was das Leopold Museum betrifft, liegt zu Grünbaum ein Dossier der Provenienzforscher und ein Gremiumsbeschluss der Michalek-Kommission vor. Eine Entziehung konnte nicht nachgewiesen werden. Es gab keine Rückgabe-Empfehlung.

Was den Mayländer-Fall betrifft, so gibt es seit drei Jahren einen redlichen Versuch, sich mit den Erben zu einigen. Der Stiftungsvorstand bietet, wie in anderen, bereits gelösten Fällen, einen Vergleich an. Wir haben nicht nur einen eigenen Provenienzforscher, sondern auch zwei unabhängige, nicht weisungsgebundene Provenienzforscher des Bundes. Wir haben uns für diesen Weg aus moralischen Gründen entschieden, obwohl wir als Privatstiftung nicht dazu verpflichtet wären, und dahinter stehe ich auch. In der Vergangenheit sind in vier von fünf Fällen Vergleiche erzielt worden, mit denen beide Seiten einverstanden waren. Ich hoffe, dass man hier zu einer transparenten, fairen und gerechten Lösung kommt.

Bei Ihrer Vorstellungspressekonferenz haben Sie die Bundeshaftung für das Leopold Museum gefordert.

Das muss und soll ein Ziel sein, ob eine Haftung des Bunds oder des Landes, sei dahingestellt. Die Werte am Kunstmarkt sind in den letzten Jahren ins Absurde gestiegen, es ist kaum noch möglich, ohne Bundes- oder Landeshaftung große Ausstellungen zu machen. Ohne diese Haftungskonstrukte würde man in vielen Museen Wiens nicht sehen, was man sieht. Es kann nicht das Interesse der öffentlichen Hand und damit der Steuerzahler sein, absurde Versicherungssummen zu finanzieren. Abgesehen davon, dass sich das niemand mehr leisten kann. Deswegen werden wir intensiv versuchen, solche Haftungsmodelle und rückversicherungstechnische Möglichkeiten auszuloten, um wichtige Exponate nach Österreich zu holen. Das Leopold Museum trifft dies besonders, weil die Versicherungswerte im Bereich der klassischen Moderne ins Absurde gestiegen sind.

Eine provokant medienwirksame Schau wie "Nackte Männer", bei der Plakate überklebt wurden und Nackte keinen Eintritt zahlten - unter Direktor Wipplinger vorstellbar?

Sagen wir einmal so: Was da meines Erachtens nach leider untergegangen ist, war, dass das wirklich eine hochqualitative Ausstellung hinsichtlich Konzept und Exponate war. Der durchdachte Inhalt ist durch gewisse Aktivitäten leider etwas ins Hintertreffen geraten. Man hat mehr auf das Spektakulum als auf den Inhalt geschaut. Generell muss man die mediale oder werbetechnische Positionierung Projekt für Projekt sorgfältig abwägen, weil es immanent mit der Positionierung des Hauses zu tun hat. Das heißt aber nicht, dass wir keine publikumswirksamen Ausstellungen intendieren.