Wien. (irr) Nicht nur das Burgtheater, von einem singulären Finanzskandal erschüttert, stand vor zwei Jahren mit dem Rücken zur Wand. Glaubt man Günter Rhomberg, seit Sommer 2014 Chef der Bundestheater, befand sich damals der gesamte Konzern in einer "existenziell kritischen Situation". Zwar hatten die anderen beiden Häuser keinen Schuldenberg angehäuft und kaschiert. Die eingefrorenen Subventionen aber brachten - bei gleichzeitig steigenden Personalkosten - auch die Staats- und Volksoper in Bedrängnis. Wie groß die Not war, zeigte nicht zuletzt der Geschäftsbericht für die Saison 2013/14: Konzernweit wies er einen Bilanzverlust von 28,4 Millionen Euro aus.

Demnächst wird Rhomberg nun den Posten räumen - und hat einiges bewegt, wie die aktuell veröffentlichten Zahlen für die Spielzeit 2014/15 belegen. Da hat sich einerseits das Burgtheater (gegen dessen gefeuerte Geschäftsführer Matthias Hartmann und Silvia Stantejsky Ermittlungen laufen) stabilisiert. Zwar weist das Haus weiterhin einen Bilanzverlust aus, nämlich 12,1 Millionen Euro.
Direktorin Karin Bergmann und Wirtschafts-Chef Thomas Königstorfer steigerten die Karteneinnahmen aber um 15 Prozent auf ein Rekordergebnis von 8,5 Millionen Euro. Im Verbund mit einem eisernen Sparwillen gelang ein Jahresüberschuss von 1,2 Millionen.

Millionen durch Verkäufe

Konzernweit haben andere Maßnahmen geholfen. Dass der Bühnenverband langfristig überleben wird (und nun erstmals Drei-Jahres-Budgets für seine Häuser verabschieden konnte), ist einer Erhöhung der Basisabgeltung zu verdanken: Minister Josef Ostermayer hat sie um 14 Millionen Euro auf insgesamt 162,9 angehoben. Die Maßnahme gilt allerdings erst für die nächste Saison. Um sich inzwischen über Wasser zu halten, hat Rhomberg den Verkauf von Immobilien angeordnet. Der Plan scheint aufgegangen zu sein: Bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres dürften 40 Millionen Euro in die Kassen fließen, der letzte Verkauf im Hanuschhof stehe unmittelbar bevor.

Dass es dem Konzern im Geschäftsjahr 2014/15 gelungen ist, positiv zu bilanzieren (mit einem Gewinn von rund 67.000 Euro), hat aber noch einen Grund. Nämlich eine aufgelöste Gewinnrücklage in Höhe von 23 Millionen Euro. Woher kommt sie? Rhombergs Vorgänger, der im Gefolge der Burgkrise abgetretene Georg Springer, hatte beteuert, die Reserven seien aufgebraucht.

Das Geld, so Rhomberg, verdanke sich einer "Kapitalkonsolidierung"; diese habe in Summe 40 Millionen Euro erbracht. Jedoch nur auf dem Papier: Das Anlagevermögen sei bei der Gründung der Bundestheater höher gewesen als das Stammkapital; die Rücklage bilde nun diese Differenz ab. Das sei aber kein "Zaubertrick", sondern etwas, das jede GmbH macht". Zusätzliche Liquidität bringe dies freilich nicht und müsse streng getrennt von der Gebarung der Bühnen betrachtet werden.

Abgesehen von der Burg, bilanzieren diese positiv. Die Volksoper erwirtschaftete einen Gewinn von 142.414 Euro, die Sitzplatzauslastung blieb mit 81,69 Prozent nahezu gleich. Die Staatsoper rangierte diesbezüglich bei konstant 99 Prozent und fuhr mit 34 Millionen Euro einen Einnahmenrekord ein. Das bewilligte Budget konnte so um zwei Millionen unterschritten werden, heißt es aus dem Haus.

Neues in der Causa Burg dürfte es in den nächsten 14 Tagen geben: Dann soll ein lange erwarteter Rechnungshof-Bericht vorliegen. Mit den Folgen wird sich aber nicht mehr der 77-jährige Rhomberg befassen müssen, der Ende März in Pension geht, sondern sein Nachfolger Christian Kircher. Dessen bisherigen Job als Finanzchef des Wien Museums übernimmt die Managerin Christina Schwarz.