Kaum an einer anderen Stelle der italienischen Mittelmeerküste vollzieht sich der Zusammen- prall von Bergen und Meer so spektakulär wie im Süden Liguriens. Wo das Wasser aufhört, da geht das Land fast vertikal in das apenninische Gebirgsmassiv über. Hinter den fingerbreiten Badestränden steigen Serpentinenstraßen zu Olivenhainen und Weinbergen an. Hier und da ein aus der Ferne entvölkert wirkendes Dorf mit einer schon weithin sichtbaren Kirche. Abends ziehen sich Lichterketten im Zickzack der kleinen Buchten wie Perlenschnüre die Küste entlang.

Die spröde Schönheit dieser Landschaft hat von jeher Maler und Poeten inspiriert. In zahllosen Gedichten hat Eugenio Montale, Italiens großer Lyriker und Nobelpreisträger, selbst ein Ligurier, die Unvergleichlichkeit dieses Küstenstreifens besungen. Besonders aber zog die Riviera di Levante zu Beginn des 19. Jahrhunderts die englischen Romantiker Lord Byron, Keats und Shelley an. In Lerici erinnern noch Hotelnamen an die exzentrische Dichterbohème. Ihr verdankt das Ostufer des Golfes von La Spezia die schillernde Bezeichnung als "Bucht der Dichter".

Lerici hat inzwischen die Ausmaße einer Kleinstadt erreicht. An der Hafenmole, wo einst die Händler und Restaurantbesitzer die heimkehrenden Fischkutter umlagerten und sich, lauthals feil- schend, mit dem Tagesfang versorgten, dümpeln heute die Segelboote der Urlauber. Dazwischen starten die Motorschiffe zur Cinque-Terre-Küste und weiter - über Portofino - nach Genua. Vom Hafengelände aus führt eine kurvenreiche Asphaltstraße, an schmalen Stränden vorüber, nach San Terenzo, das sich in den letzten Jahrzehnten, abseits der weltbekannten mondänen Ferien-Enkla- ven, zu einem beliebten Urlaubsort entwickelt hat. Ein paar Boutiquen, Pensionen und Trattorien, in denen neben den traditionellen Spaghetti al Pesto alle Varianten ligurischer Fischgerichte auf den Speisekarten stehen.

Atemberaubende Panoramen als literarische Inspiration

Als der knapp 30-jährige Percy B. Shelley mit seiner Frau Mary im April 1822 in San Terenzo eintraf, bestand die Ortschaft nur aus einer Anlegestelle für Fischerboote, einer Kirche und der Casa Magni, die der Dichter für den Sommeraufenthalt gemietet hatte. Von der breiten Terrasse über weiten Arkaden öffnete sich ein atemberaubendes Panorama. "Die Szene war von unvorstellbarer Schönheit," notierte der Dichter bewegt, "die blaue Weite des Meeres, die Bucht fast von der Erde umschlungen, das nahe Kastell von Lerici und dann Portovenere weit im Westen; die unterschiedlichen Formen der steil abfallenden Felsen, die den Strand umringen, von dem sich nur ein einziger wilder Pfad nach Lerici schlängelt... Ein Bild, das man sonst nur in den Landschaften von Salvator Rosa findet."