Wien. (irr) "Karlsplatz 5", "Bösendorferstraße 10": Die blauen Hausschilder haben ihren Herkunftsort verlassen und im vierten Stock eines ehemaligen Bürohauses in Wien-Margareten eine neue Heimat gefunden. Kunstwerke werden ihnen künftig Gesellschaft leisten. Schließlich richtet sich hier, in der Siebenbrunnengasse 19-21, nun die Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs häuslich ein. Wie berichtet, wird ihr traditioneller Stammsitz und Ausstellungsort - das Künstlerhaus am Karlsplatz - umgebaut und im September 2018, zum 150-Jahr-Jubiläum des Gebäudes, neu eröffnet.

Es sei kein Leichtes gewesen, ein Ausweichquartier für die Zwischenzeit zu finden: "Wir sind von Plan A zu Plan B, C und D gekommen", erklärte Künstlerhaus-Geschäftsführer Peter Zawrel am Freitag vor Journalisten in der neuen Räumlichkeit. Gefunden wurden sie mit Hilfe der S Immo AG: Das börsennotierte Unternehmen, dem unter anderem das Marriott am Parkring gehört, saniert derzeit das Gebäude in der Siebenbrunnengasse. Die Firma habe mit dem Künstlerverein eine vorteilhafte Kooperation abgeschlossen, heißt es. Zahlen will Zawrel nicht nennen, nur so viel: Die Miete komme den "Möglichkeiten und Bedürfnissen" des Vereines sehr entgegen.

750 Quadratmeter Ausstellungsfläche stehen dem "Künstlerhaus 1050" künftig zur Verfügung. Der Großteil der Büro-Rigipswände soll in nächster Zeit fallen, die offizielle Eröffnung am 13. Oktober stattfinden. "Wir werden versuchen, diese Location zu rocken", lässt sich Zawrel vom derzeit noch prosaischen Ambiente nicht einschüchtern. Stella Bach und Claudia Maria Luenig werden die erste Ausstellung unter dem Titel "RomANTIsch? Starke Gefühle oder die Art wie wir denkend fühlen und fühlend denken" gestalten; flankiert wird die Schau von einem dreiteiligen Installations- und Performance-Projekt namens "Über Leben" von Thomas J. Jelinek, Aiko Kazuko Kurosaki und Peter Koger im öffentlichen Raum. Im Dezember soll das "Künstlerhaus 1050" zur Basisstation für die Künstlerin "starsky" werden, die "von hier aus mit ihren Guerilla-Projektionen Wien unsicher bzw. künstlerisch sicherer machen wird", wie es hieß.

Weichensteller Haselsteiner

Überhaupt will man in die neue Nachbarschaft hineinwirken: Laut Zawrel werde sich das "Künstlerhaus 1050" auch durch Vermittlungsprojekte auszeichnen und die Zusammenarbeit mit den Institutionen von Wien-Margareten - sehr zur Freude von Bezirksvorsteherin Susanne Schaefer-Wiery, die ihr Kulturbudget in den Vorjahren verdreifacht habe.

Apropos Geld: Dass das Künstlerhaus am Karlsplatz überhaupt renoviert wird, ist Hans Peter Haselsteiner zu verdanken. Er finanziert die - seit langen Jahren geforderte - Sanierung mit rund 30 Millionen Euro; im Gegenzug erhält der Industrielle 50 Prozent der künftigen Ausstellungsfläche. Darauf will er österreichische Kunst des 20. Jahrhunderts zeigen, darunter wohl so manches aus der Sammlung von Karlheinz und Agnes Essl, in die sich Haselsteiner mit 60 Prozent eingekauft hat.

Gelagert sind diese Werke im Essl Privatmuseum in Klosterneuburg. Wie berichtet, hat das Haus seinen Ausstellungsbetrieb jüngst wegen Geldmangels eingestellt. Was aus Österreichs wohl schönstem Kunstdepot werden soll, ist noch unklar.