(eb) Je digitaler, desto musealer - das ist der neue Trend in den Museen der Welt: die Kunst, oder zumindest deren Präsentation, der digitalen Vermittlung unterworfen, Erklärungen durch Handy-Apps, dazu Selfie-Stunden vor den Kunstwerken. Die Museen scheinen vor dem Ansturm der neuen Medien zu kapitulieren.

Und dann kommt das Kunsthistorische Museum Wien und bringt einen Führer der wirklich neuen Art auf dem guten alten Medium Papier heraus: "Neue Einblicke" von Philipp Blom und Veronica
Buckley setzt ganz woanders an als die meisten Kunstführer. Dazu muss man wissen: Weder Blom noch Buckley sind Kunsthistoriker. Beide sind sie Schriftsteller mit Historiker-Hintergrund. Bloms wichtigstes Buch ist "Der taumelnde Kontinent" über das Europe vor dem Ersten Weltkrieg, Buckley hat sich unter anderem mit dem russischen Zarenreich befasst.

Wenn sie die Bilder und Objekte des Kunsthistorischen Museums betrachten, dann entstehen daraus weniger Bildbeschreibungen als innere Landschaften, nicht um trockene Fakten geht es, sondern um höhere Einsichten. Die Sprache denkt die Kunstwerke in alle Richtungen weiter. So entstehen historische Miniaturen und philosophische Exkurse. Am schönsten aber sind die meditativen Passagen, in denen sich der Text zur Dichtung weitet und einlädt, zu verweilen und in das Bild einzusinken. Was mehr ist, als viele digital vermittelte Daten vermögen.