Wien. Am "Dancer Against Cancer"-Frühlingsball vergangenen Samstag in der Wiener Hofburg tanzten mehr als 2000 Gäste für einen guten Zweck. Der Von der Tanzschule Rueff zum elften Mal von einem 80-köpfigen Freiwilligenteam veranstaltete Ball spendet den Reinerlös der Wiener Krebshilfe. Neben Showacts wie "The Rats Are Back", Saxophonlady Daniela Krammer und den Staatsmeistern Schwarz/Gold im Formationstanzen waren auch zahlreiche Prominente, wie Thomas Schäfer-Elmayer, Christoph Fälbl, Madeline Zima, Manfred Baumann, Christine Lugner und Sänger Gary Lux bei der Benefiz-Veranstaltung anzutreffen.

Durch den Abend führten Silvia Schneider und Alfons Haider. Bereits die Eröffnung glänzte mit zahlreichen Tanzeinlagen sowie zum ersten Mal mit einer Haute Couture-Show des oberösterreichischen Designers Emanuel Burger.

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Preis für "Kurvenkratzer"

Im Rahmen der Eröffnung wurde wie jedes Jahr der "MyAid Award" vergeben, der besonderes Engagement im Kampf gegen Krebs auszeichnet. Dieses Jahr ging er an Martina Hagspiel. Die 39-Jährige erkrankte 2010 an Brustkrebs. Erst aus der Bahn geworfen, wurde Hagspiel stark von Familie, Freunden und ihrem Partner unterstützt. Als sie sich entschloss, öffentlich über ihre Krankheit sprechen und ihr aktiv entgegenzutreten, lernte sie viele Frauen mit ähnlichen Schicksalen kennen.

Daraufhin rief sie das Buchprojekt "Kurvenkratzer" ins Leben, worin 25 Betroffene mit ihren Geschichten zu Wort kommen. Für das von Starfotografen wie Kristian Schuller illustrierte Werk wurde ihr der Preis verliehen. Auch bei ihrer Dankesrede warb sie für einen offeneren Umgang mit der Krankheit. "Krebs ist ein Tabuthema, das wissen wir alle", so Hagspiel. Durch Wegschweigen würde die Krankheit aber nicht verschwinden. Überreicht wurde der Preis vom Starfotografen Manfred Baumann und dem diesjährigen Stargast, der Hollywood-Schauspielerin Madeline Zima.

Kleines Detail am Rande: Bei Ihrer Begrüßung meinte der versierte Moderator Alfons Haider, Zima sei sehr "big" geworden. Damit spielte er darauf an, dass die Schauspielerin bereits als Kind in der Rolle der "Grace" in der Sitcom "Die Nanny" mit Fran Drescher (die selbst zu den MyAid-Preisträgerinnen zählt) Berühmtheit erlangte. Zima besserte ihn jedoch lächelnd schnell auf "tall" aus – Haider hatte die hochgewachsene Brünette nämlich versehentlich als "dick" bezeichnet. Die beiden waren später jedoch gemeinsam auf der Tanzfläche zu sehen.

Promis mit Profis am Parkett

Fixpunkt des Ballprogramms stellte wie jedes Jahr das Promi/Profi Tanzturnier, wo Prominente in Showtänzen mit professionellen Partnern auftreten. Zwölf Promipaare und eine Gruppe ließen das Parkett im Kampf und en Sieg glühen. Unter anderem traten Schauspielerin und Kabarettistin Sigrid Spörk, Designerin Liliana Klein und "Miss Vienna" Kimberly Budinski an den Start. Auch Journalist Thomas Netopilik und Schauspieler Volker Grohskopf waren vertreten. Das Turnierfinale bildete eine Gruppendarbietung im Stil des Musicals "Tanz der Vampire". Im Zuge der ausgefeilten Choreografie bewiesen vor allem das Leitpaar in Gestalt des Vampirs Krolok und seiner Geliebten Sarah eine ausgeprägte Körperbeherrschung und Haltung, die sich eines Untoten würdig zeigte. Die Formation wurde mit einem Sonderpreis geehrt.

Die Leistungen der Paare bewertete die Jury, bestehend unter anderem aus Aida-Erbin Andrea Bocan, Hannes Nedbal und seiner Frau Lotte, Thomas-Schäfer Elmayer und Vorjahressieger Christoph Fälbl. Sie kürten um Mitternacht Kernölamazone Cristina Athanasiadis und ihren Profipartner Chris Eichler zur Siegerin. Aber auch das Publikum und die Ballgäste hatten ein Wörtchen mitzureden. Denn ganz in "Dancing Stars"-Manier konnte per Anruf oder SMS für seinen Favoriten abgestimmt werden, wobei die Gebühren dem Spendenerlös zugute kommen. Die fleißigen Anrufer verhalfen Fernsehmoderatorin Adriana Stich-Zartl und ihrem Profipartner Roman Trnka zum Sieg in der Kategorie "Publikumspreis". Stich-Zartls Sohn Luca war 2013 im Alter von drei Jahren an Krebs erkrankt, nach eineinhalb Jahren Therapie und Pflege durch seine Eltern wurde er jedoch wieder gesund.

Alle anderen Paare fuhren den wohlverdienten zweiten Platz ein. "Eigentlich wollten wir anfangs nicht mal einen Sieger küren, da alle Teilnehmer großartige Leistungen zeigen. Vor allem, da sie unentgeltlich auftreten und vor der Show hart trainieren. Aber die Leute wollen bei Turnieren ein Ergebnis", erklärt Yvonne Rueff lächelnd.

Durchtanzen bis zum Katerfrühstück

Aber auch nach dem Profitanzturnier bebte das Parkett im Festsaal weiterhin. Denn kaum wurde die Tanzfläche für die Gäste geöffnet, tummelten sich darauf zahllose tanzwütige Paare, die bis in die frühen Morgenstunden die Hüften zur Musik schwangen. In mehreren Sälen der Hofburg wurde beinahe durchgehend zu Walter, Quickstep, Boogie, Rumba, Cha Cha und Tango gefeiert. Im Forum im Erdgeschoss sorgte "Cinderella tanzt" mit den besten Liedern der vergangenen fünfzig Jahre auf – auch wenn der DJ scheinbar ab und an etwa vier dieser fünf Jahrzehnte ausgelassen hatte. Passend dazu konnte man übrigens auch den ein oder anderen Schuh einsam in der Ecke stehen sehen, da viele Aschenputtel ihre durchtanzten Füße schonen mussten.

Organisatorin Yvonne Rueff hatte stets betont, dass der "Dancer Against Cancer"-Ball ein klassischer Ball bleiben und nicht etwa Clubbingaspekte wie ein Life-Ball entwickeln sollte. Dementsprechend lud ihr Kollege Mathias Urrisk des Nachts im Festsaal zur traditionellen Quadrille. Im stetig schneller werdenden Tempo war es bei Figuren wie dem Tour de Main und den dauernden Seitenwechseln schwer, die Balance zu halten.

Kurz vor Ballschluss versammelten sich alle Tapferen und Hungrigen Gäste im Erdgeschoss zum großen Katerfrühstück, das, wie auf jedem Ball, kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Neben Kaffee, Säften, Kipferl und Sandwiches gab es auch Gulaschsuppe und Würstel am Stand des Ballcaterers Gerstner, der dieses Angebot als Spende zur Verfügung stellte.

Zahlreiche Unterstützer

Yvonne Rueff und ihr Team schaffen es jedes Jahr durch unermüdlichen Einsatz, dass der Ball bis auf die Miete für die Hofburg und allfällige Gebühren komplett durch Sponsoren zustande kommt. Zahlreiche Unternehmen wie das dm Friseurstudio, Wedding Box, Casinos Austria, Feh, Maxima, Karin Van Fliet, die Österreichische Post, Ströck, Autoverkäufer Wiesenthal, myAustrian, Helvetia, Wojnars, Pago, Kattus, Lambert Hofer und Frack & Co. unterstützen den Ball mit Sach- und Dienstleistungen. Daher konnten auch bei der Tombola Hauptreise wie eine Reise für zwei Personen nach Madeira, ein kompletter Smoking oder zwei Brillantringe verlost werden. Auch ausnahmslos alle am Ball auftretenden Künstler bekommen für ihr Engagement keine Gage.

Der Reinerlös des Balls stehe laut Organisatorin Yvonne Rueff noch nicht fest, "aber die Hochrechnungen laufen auf Hochtouren". Neben den Erlösen der Eintrittskarten und Sitzplätze werden auch die Erlöse der Tombola und zweier Bars gespendet. Die bisherigen Wohltätigkeitsbälle haben bereits mehr als 600.000 Euro an Spenden für die Wiener Krebshilfe gesammelt, allein 2016 kam eine Rekordsumme von 100.000 Euro zustande. Der nächste "Dancer Against Cancer" Ball in der Wiener Hofburg findet am 14. April 2018 statt.