Wien. Donald Trump in Washington, Viktor Orbán in Budapest, Norbert Hofer - fast - in der Wiener Hofburg: In der politischen Welt werden die Karten neu gemischt; das Trumpf-Ass landet nicht selten bei den Rechtspopulisten - wobei manche Altpartei versucht, die laute Konkurrenz zu überflügeln. "Die Regierungsparteien überbieten sich darin, rechtspopulistische Positionen zu übernehmen", klagt der österreichische Politikforscher Michael Wimmer. Diese Entwicklungen könnten auch "massive Konsequenzen" haben für die Kultur. Ginge es etwa nach dem Niederländer Geert Wilders, würden Kulturförderungen weitgehend abgedreht. Zudem: Käme ein solcher Mann an die Macht (was Wilders jüngst nicht gelang), würde er dann nicht eine heimatverbundene Kunst fordern?

Am Donnerstag hat Wimmer ein Symposium zum Thema "Kulturpolitik und Rechtspopulismus" an der Universität für angewandte Kunst eröffnet. Fakt ist für ihn: Eine Art Gegenrevolution steht in den Startlöchern. In den 60er und 70er Jahren hätten junge Feuerköpfe, der Elite zum Trotz, einen breiten Kulturbegriff durchgesetzt. Heute säßen diese Reformer selbst als "Establishment" auf der Anklagebank. Für Wimmer "eine Seltsamkeit der Geschichte". "Unsere kulturpolitischen Vorstellungen sind in die Jahre gekommen."

Angriffig und wehleidig

Wie aber knabbert der Rechtspopulismus daran? Der Ethnologe Werner T. Bauer versucht, den Begriff dingfest zu machen. Populismus, sagt er, sei nicht allein Rechtsparteien vorbehalten. Er könne "sogar" bei den Grünen auftauchen, weil sich der Neid auf "die da oben" auch vor einen links-alternativen Karren spannen lässt. Es gäbe da aber noch einen demagogischen "Wir-gegen-die"-Gegensatz, und der sei vor allem den "Rechten" vorbehalten: das Ausspielen der In- gegen die Ausländer. Das packe den Menschen bei einer instinktiven Wurzel: der Angst vor Fremdem. Es sei dies nicht das einzige Merkmal solcher Parteien: Meist besitzen sie eine charismatische Führerfigur, geben sich blumige Namen ("Bewegung" oder "Aktion"), neigen zu Tabubrüchen der Sorte "Wir sagen, was andere nur denken", seien dafür aber schrecklich wehleidig, wenn sie in die Kritik geraten. Und: Solche "Bewegungen", mittlerweile in (fast) ganz Europa beheimatet, hätten nur selten ein widerspruchsfreies Programm. Bauer spricht darum von "Ideologien ohne Weltanschauung". Sie zögen verunsicherte Kleinbürger ebenso an wie die viel zitierten "Modernisierungsverlierer".