Doch der Einsatz von Sexrobotern ist ethisch umstritten. Mehrere Wissenschafter haben die "Kampagne gegen Sexroboter" initiiert und fordern ähnlich wie bei Kampfrobotern ein Entwicklungsverbot, weil es Frauen zum Objekt der Verfügbarkeit degradiere und ein Bild von Prostituierten als Roboter evoziere. Die Ethikerin Eleanor Hancock schreibt: "Wenn wir annehmen, dass wir Menschen in der Prostitution mit Robotern ersetzen können, ist es mitnichten unlogisch, dass Frauen in der Prostitution in mancher Hinsicht wie Roboter sind." Verstärken Sexroboter Stereotype oder helfen sie der Emanzipation?

Der Maschinenethiker Oliver Bendel, der an der Fachhochschule Nordwestschweiz lehrt, sagt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung": "Sexroboter können für manche Menschen eine Bereicherung sein, einen Teil ihres guten Lebens ausmachen, nach dem die Ethik fragt. Die meisten Menschen werden sie abstoßend finden. Und das dürfen sie auch." Die Gesellschaft müsse einen Weg finden, diejenigen Menschen, die sich mit einem Sexroboter vergnügen, in Frieden leben zu lassen. Es liege in der Natur von Sexspielzeugen, dass Personen oder auch Körperteile reduziert und zum Objekt gemacht werden. "Dildos reduzieren den Mann auf sein bestes Stück. Darüber regt sich niemand auf. Vielleicht ist aber die Reduktion bei Sexrobotern und Liebespuppen gerade deshalb eine besondere, weil die ganze Person abgebildet wird", konstatiert Bendel.

Ein heikles Thema sind Sexroboter und Liebespuppen, die Kindern gleichen. Darf es die Gesellschaft zulassen, dass nach Kindern und Tieren modellierte Roboter in Verkehr gebracht werden, an denen Pädophile respektive Zoophile ihre Fantasie ausleben? Das japanische Unternehmen Trottla hat bereits mit der Produktion solcher Kinder-Sexroboter ("Pädobots") begonnen. Der US-Robotik-Forscher Ronald C. Arkin will Pädophile gar mit Sexrobotern therapieren, was als ethisch hoch umstritten gilt. Maschinenethiker Bendel sagt: "Mediziner und Psychologen müssen entscheiden, ob solche in Therapien eingesetzt werden oder auch einfach nur der Triebabfuhr dienen können - und so Kinder geschützt werden können. Ich bin dagegen, Kindroboter und Kindpuppen zu ,normalisieren‘, sie in Einrichtungen aller Art zum Gebrauchsgegenstand werden zu lassen." Man müsse auch bedenken, dass ein Einüben an solchen Robotern und Puppen ein Gewöhnen verursachen könne. "Es ist nicht nur ein passives Konsumieren, es ist ein aktives Penetrieren. Das könnte Gefahren mit sich bringen." Unter Aufsicht könne ein Einsatz aber durchaus Sinn ergeben, ist Bendel jedoch überzeugt.

Der Maschinenethiker denkt, dass Sexroboter eine Nische bleiben werden. "Vibratoren und Dildos kann man verbergen, und wenn man offen ist, kann man auch unter Freundinnen und Freunden darüber sprechen. Aber dass man seinen Sexroboter den Freunden vorstellt, wenn diese zu Besuch sind? Und sagt, das ist Joyce, wir sind seit sechs Monaten zusammen? Das ist schwer vorstellbar." Und wie sieht es mit der Eheschließung aus? "Wir werden sicherlich Beziehungen mit Sexrobotern eingehen, die aber einseitig sind", so Bendel. "Eine Eheschließung ist noch eine spezielle Sache. Damit werden ja auch Rechte und Pflichten festgelegt. Solche sehe ich auf der Seite des Roboters im Moment nicht." Können Maschinen "zurücklieben"? "Maschinen haben keine Gefühle, übrigens auch keine Empfindungs- und Leidensfähigkeit", sagt Bendel. Menschliche Gefühle können sie schon gar nicht entwickeln. Liebe und Hass seien ihnen fremd. Maschinen könnten Gefühle nur simulieren. "Wir können sie lieben, aber sie uns nicht." Diese Einseitigkeit gibt es übrigens auch unter Menschen.