Am 16. April, der heuer auf den Ostersonntag fällt, vollendet erstmals seit 1900 ein Papst das 90. Lebensjahr. Über die Langlebigkeit von Leo XIII., der 1903 im Alter von 93 gestorben ist, soll damals ein hochrangiger Kardinal geseufzt haben: "Wir haben einen Heiligen Vater gewählt, keinen ewigen Vater." Der diesjährige Jubilar, Joseph Ratzinger, ist freilich nicht mehr amtierender Bischof von Rom. Sein 2005 begonnenes Pontifikat als Benedikt XVI. endete am 28. Februar 2013 mit einer freiwilligen Amtsniederlegung.

Ein Papst-Rücktritt, für manche die größte Leistung des deutschen Pontifex, galt jahrhundertelang als nahezu undenkbar. Der Dichter Dante Alighieri hat Coelestin V., auf dessen Rücktritt im Jahr 1294 bald die "babylonische Gefangenschaft der Kirche" in Avignon folgte, in seiner "Göttlichen Komödie" in die Hölle verbannt. Als Benedikt XVI. abdankte, gab es Kritik von jenen, für die der Papst sein Amt - auch als Leidender wie zuletzt Johannes Paul II. - bis zum Lebensende ausüben muss: "Man steigt nicht herunter vom Kreuz." Der Ratzinger-Papst hat darum in seiner letzten Generalaudienz 2013 betont: "Ich kehre nicht ins private Leben zurück - in ein Leben mit Reisen, Begegnungen, Empfängen, Vorträgen und so weiter. Ich gehe nicht vom Kreuz weg, sondern bleibe auf neue Weise beim gekreuzigten Herrn."

Texte und Bilder

Für das zum 90. Geburtstag erschienene Buch "Alles Gute!" hat sich der Herder-Verlag, in dem jahrzehntelang Ratzingers Bücher erschienen sind, bemüht, die "schönsten Texte und Bilder von Papst Benedikt XVI." zusammenzutragen. Der kleine Bildband ermöglicht ein kurzes Eintauchen in das Denken und Fühlen dieses Papstes.

Die ganze Lebensgeschichte des 1927 in Marktl am Inn geborenen Bayern Joseph Ratzinger und die kritischen Stimmen zu seinem Wirken findet man hier nicht. Als junger, für Reformen offener Theologe durfte er den Kölner Kardinal Josef Frings zum Zweiten Vatikanischen Konzil nach Rom begleiten.

Bedeutender Theologe

Ratzinger lehrte Dogmatik in Münster und in Tübingen, ehe er sich - unter dem Eindruck der Studentenunruhen von 1968 - nach Regensburg zurückzog und als Konservativer Karriere machte: 1977 wurde er Erzbischof von München und Kardinal, 1981 Präfekt der Glaubenskongregation in Rom. Er maßregelte in dieser Rolle, die ihm die Bezeichnung "Panzerkardinal" eintrug, etliche Theologen, darunter den Brasilianer Leonardo Boff.

Zweifellos war Ratzinger seit langem der bedeutendste Theologe als Papst. Seine Bücher, vor allem seine Jesus-Bände, wurden Bestseller, seine Enzykliken, etwa über die Liebe und die Hoffnung (jene über den Glauben vollendete sein Nachfolger) fanden ein positives Echo. Überschattet war sein Pontifikat unter anderem von den bis dahin erfolgreich vertuschten Missbrauchsskandalen. Unverständlich finden viele, dass er nicht in den Kardinalsstand zurückkehrte, sondern als "emeritierter Papst" in weißer Soutane auftritt. Die Kirche muss wohl das, was sich ein Johannes Paul II. nicht vorstellen konnte, noch lernen - den Umgang mit "pensionierten Päpsten".

Alles Gute! - Benedikt XVI.

Herausgegeben von Simon Biallowons. Vorwort von Papst Franziskus.

Herder Verlag, 128 Seiten, 13,90 Euro