Wien. Noch dominiert die Räume im Mezzanin der Geruch von Wandfarbe und von feinen Sägespänen. Von der Decke hängen bloße Stromkabel und die weißen Holzvitrinen sind noch nicht vollständig aufgebaut. Zwei der 14 Säle jedoch lassen bereits erahnen, was Besucher hier ab kommendem Herbst erwarten wird. Das umgebaute und neu benannte Weltmuseum Wien nimmt Gestalt an. Und der Eröffnungstermin steht fest. Nach drei Jahren des Umbaus wird André Heller für das Museum am 25. Oktober ein Bühnenfest auf dem Heldenplatz gestalten - mit einem "sinnlichen Kaleidoskop aus theatralischen und musikalischen Splittern". Es folgt ein Tag der offenen Türe am Nationalfeiertag.

Anlässlich dieser Bekanntgabe luden KHM-Chefin Sabine Haag, in deren Museumsverband das Haus angesiedelt ist, und der Direktor des Weltmuseums Wien, Steven Engelsman, Journalisten zu einer Baustellenbegehung.

Umbauen und Umdenken

Die Zielgerade, die das Projekt damit erreicht, ist die eines langwierigen Prozesses. Das lag, so Engelsman, an der inhaltlichen Komplexität des Themas: "Das frühere Völkerkundemuseum war ein Museum der Kolonialzeit - inklusive all der ethnischen Beleidigungen anderer Völker." Es galt also für die Umgestaltung der Räumlichkeiten in der Neuen Burg nicht nur eine umfangreiche Sammlung neu zu präsentieren, sondern auch gesellschaftliches Umdenken und kritisches Hinterfragen der eigenen Grundlagen mit in das neue Konzept des Weltmuseums als "Treffpunkt für Menschen aller Kulturen" zu integrieren.

Die neuen Schausäle werden vom Architekten- und Designerteam Hoskins Architects/Ralph Appelbaum Associates gestaltet und sollen sich mit den historischen Sammlungen des Hauses künftig aktuellen gesellschaftlichen und weltpolitischen Fragen stellen. 1,5 Prozent der gesammelten Objekte, das sind exakt 3.127 Exponate, werden in den 14 Räumen ab Herbst präsentiert - von Kunsthandwerk aus dem Orient, rituellen Musikinstrumenten aus Südamerika bis hin zu chinesischen Grabbeigaben. "Das wird ziemlich eklektisch gemacht", beschreibt Engelsman sein Konzept. "Wir machen eine Perlenkette von Geschichten, die wir in den Sälen aneinanderreihen. Wir zeigen die wunderschönen Sammlungen und erzählen gleichzeitig, wie sie nach Wien gekommen sind."

Zwei Säle sind nicht Sammlungen, sondern Themen gewidmet: Einmal der Migrationssaal "Welt in Bewegung", in dem gezeigt werden soll, "dass Migration zur Menschheit gehört" und dann "Im Schatten des Kolonialismus". Hier erwartet das Publikum, wie ein erster Einblick zeigt, eine schnörkellose, moderne Objektpräsentation sowie eine Fülle von Hintergrundinformationen, die zum Mitdenken anregen. "Der ganze Saal orientiert sich an Fragen", erläuterte die kuratorische Projektleiterin Claudia Augustat. "Gestohlen? Gekauft? Gehandelt?" heißt es da etwa. Wie man beim heutigen Sammeln das nach wie vor existierende postkoloniale Machtgefälle umgehen oder bei der Ausstellungsarbeit die religiösen Gefühle jener Völker berücksichtigen könne, deren historische Kultgegenstände gezeigt werden sollen, seien nur zwei von vielen spannenden Fragen, mit denen man in der heutigen ethnografischen Museumsarbeit konfrontiert werde.

Finanziell unspektakulär

Für den kaufmännischen Chef Paul Frey handle es sich bei dem Umbau um "ein spektakuläres Projekt, das finanziell denkbar unspektakulär" abgewickelt wird. 21,8 Millionen Euro betrage das Projektbudget - fünf Millionen Euro kommen aus dem Wirtschaftsministerium, 14 Millionen aus dem Bundeskanzleramt. Von den zugesicherten zwei Millionen Eigenmitteln habe das KHM bereits 80 Prozent aufgetrieben.

Die Redimensionierung des Weltmuseums ist für Engelsman kein Thema mehr, auch wenn es natürlich schade sei, weniger Platz zu haben als das frühere Völkerkundemuseum. Auf den durch die Verkleinerung frei gewordenen Flächen entsteht derzeit das Haus der Geschichte Österreich. Das zur Nationalbibliothek gehörige Haus wird von der Historikerin Monika Sommer-Sieghart geleitet und soll 2018, zum 100-Jahr-Jubiläum der Ersten Republik eröffnet werden.