Sich scheinbar für Frauen einzusetzen, widerspricht in diesem Fall auch nicht der frauenverachtenden Politik und Rhetorik von Trumps Vater Donald. Im Neoliberalismus ist Feminismus zum höchst individuellen Problem geworden, Trumps Buch ein Manifest für kapitalistische Selbstverwirklichung. Fleiß und Ehrgeiz haben kein Geschlecht. Und wer sagt, dass nicht auch erfolgreiche Frauen Sexobjekt sein können?

Über die rein sachliche Kritik an Ivanka Trumps Ratgeber befeuert das Buch eine neue Feminismus-Debatte. Trump selbst nennt das Wort in ihrem Ratgeber kein einziges Mal, das würde nicht gut ankommen bei der Leserschaft. Sie selbst betrachtet sich jedoch sehr wohl als Feministin, "denn ich glaube an die Gleichheit der Geschlechter".

Der Gleichstellung von Mann und Frau ist Trumps Form von "Motivation zur Selbstermächtigung" von Frauen eher hinderlich. Frauen sollen all das dürfen, was Männer dürfen - das ist längst nicht mehr die zentrale Forderung des Feminismus. Bessere Männer zu sein, ist nicht mehr das Ziel. Feminismus ist dabei, sich als gesellschaftliches Thema zu etablieren, um gleiche Bedingungen für alle zu schaffen. Nur, wenn auch Männer in Teilzeit oder Karenz gehen, beide Elternteile gleich viel verdienen und Kinderbetreuung gesichert ist, beginnt die Möglichkeit auf Chancengleichheit. Frauenrechte von gestern sind Menschenrechte von morgen - und die gehen alle an. Weibliche Autonomie damit gleichzusetzen, Frauen zu sagen, sie seien auf sich selbst gestellt und es sei großartig, ist keine Lösung. Ivanka Trumps Pseudofeminismus führt nicht zu starken, erfolgreichen Frauen, sondern erhöht nur die Fallhöhe des unausweichlichen Scheiterns. Außer, man ist zufällig auch Präsidenten-Tochter mit Personal und diversen Familienunternehmen.

Ivanka Trumps Buch polarisiert auch die Leserinnen. In den Bewertungen des Buches auf der Seite eines Online-Händlers erhält es fast ausschließlich einen oder fünf Sterne. Euphorische Danke-Sagerinnen stehen der Einordnung als blanke Zeitverschwendung gegenüber. Längst hat sich jedoch auch die Kritik an der Kritik manifestiert. Und die ist - aus dem Trump-Twitter-Lager kommend - so einfallslos wie jede Diskussion beendend: "Frauen, die sich über Ivankas Buch aufregen, sind entweder faul oder einfach neidisch." Seid doch alle ein wenig mehr wie Ivanka! So einfach ist das.