Als großen, freien Raum sieht Kos die frühen Diskotheken. "Irgendwie ist die Kugel der Mittelpunkt, denn hier wurde nur getanzt." Losgelöst von allen Hemmungen bewegte man sich zum Beat, der nie enden durfte. Kos vergleicht die Kugel mit einer "Zaubermaschine, die den Raum unwirklicher gemacht hat".

Discowelle aus Frankreich

Dabei schwappte die Discowelle aus Frankreich herüber. Bereits in den 1950ern eröffneten in Paris Lokale, in denen Jazz-Platten aufgelegt wurden. Die erste Disco nannte sich schlicht "La discothèque". Angefixt vom Nachtleben kehrte auch ein Wiener Kaffeehausbesitzer aus Paris zurück. "Er sagte zu mir: ‚In Paris tanzen die Leute zu Plattenspielern‘", erzählt Christian Haller, der damals ein junger Radiotechniker war und in einer Rock’n’Roll-Band spielte. Er bastelte sich seine Verstärker selbst und hatte das nötige Know-how. Deshalb beauftragte ihn der Kaffeehausbesitzer, im Keller seines Betriebs eine Diskothek einzurichten - samt Plattenspieler und Spiegelkugel. "Man baute die Kugel ein, um dem Lokal die Statik zu nehmen, das Lokal hat sich bewegt", sagt der heute 73-Jährige.

Begonnen hat Haller mit einem Schraubenzieher und einer Zange in einem Hinterhof. Im Laufe der Jahre hat er in mehr als 250 Lokalen Licht- und Musikanlagen eingerichtet. Die Diskothek am Parkring, das "Scotch", war laut Haller ein durchschlagender Erfolg: "Der Besitzer hat die Prominenten vom Flughafen abholen lassen, das war ein Fressen für alle Zeitungen."

Die eine oder andere Discokugel, die Haller installiert hat, dreht sich auch heute noch trotzig im Kreis. Als leuchtender Stern an der Decke, dessen Strahlen man nicht entkommt.