Bad Fischau liegt etwa 50 Kilometer südlich von Wien im Flachland des Wiener Beckens am Südhang der Thermenlinie. Einen Steinwurf von der Kirche entfernt gibt es hier ein historisches Thermalbad, das noch dazu vorbildlich erhalten ist und geschmackssicher um moderne Duschen und Toiletten erweitert wurde. 1363 erstmals urkundlich in der Pfarrchronik erwähnt, legte Ingenieur Franz Plietzsch 1872 die Grundlage für das Thermalbad, das Erzherzog Rainer 1898 erwarb und mit Hilfe des Hofbaumeisters Matthias Gerl zu einer landschaftsbezogenen Badeanlage mit Herrenbad und hölzernen Kabinenreihen mit Laubsägedekor erweitern ließ.

Soundtrack Kirchenglocke

Zwischen 1925 und 1928 wurde das Bad von Hans Goldschmied um ein ovales Damenbad mit eigenem Becken und Kabinenreihen erweitert. Mit Terrassenstufen und Wandelgängen ist es zu einem Gesamtkunstwerk geworden. 1992 hat die Marktgemeinde Bad-Fischau das Thermalbad von der Familie Habsburg erworben. Wer hier das Drehkreuz durchschreitet, fühlt sich in eine längst vergangene Zeit versetzt: Eingebettet in eine vielfältige Liegewiesenlandschaft, an deren Rand eine Reihe Badekabinen aus sonnengelbem und dunkelgrünem Holz tapfer den beachtlich steilen Hang der Bergwiese erklimmt, ruht ein unregelmäßig vieleckig geformtes Becken: Das einstige Herrenbad, in dem heute natürlich alle schwimmen dürfen. Dahinter erhebt sich der Kirchturm von Bad Fischau, dessen Glocken immer wieder die Geräuschkulisse aus Kindergeschrei, mahnenden Mütterstimmen, Fußtapsern und spritzendem Wasser um ihren Klang bereichern.

Quellfrischer Wasserfall

Permanent 19 Grad hat das Wasser. Kristallklar und frisch, kommt es direkt aus der Quelle am Quellgrund hinter den gelb-grünen Kabinenreihen, die eine Seite des Herrenbeckens säumen. Allen, die hier auf- und abtreten, bieten sie die perfekte Sommerbühne, auch die mutigen Köpfler der Jugendlichen sind hier bestens zu beobachten. Vor der Pumpstation tost ein malerisch umrankter, quellfrischer Wasserfall. Dahinter markiert ein schönbrunnergelbes Restaurant gleichermaßen den Übergang in die Welt der Damen. Ihr Becken ist harmonisch wie ein Oval geformt, von einem großen Baum beschattet, gleichfalls von einer gelb-grünen, historischen Kabinenreihe gerahmt und grenzt an die Birkenwiese, hinter der sich die "Zwetschkenwiese" versteckt.

Insgesamt 270 Saisonkabinen gibt es in diesem Bad. "Die sind alle vergeben", weiß die Dame an der Kassa. "Viele, die eine Kabine haben, kommen täglich und machen Urlaub daheim." An heißen Sommertagen zählt das Fischauer Thermalbad bis zu tausend Besucher. Da das Quellwasser ständig durch beide Becken fließt und sich dabei bis zu vier Mal täglich erneuert, erscheint es erfrischend kalt - besonders bei kühlen Wetter. Dass selbst dann das Bad geöffnet und auch besucht ist, beweist seinen hohen Beliebtheitsgrad. Die Architektendichte im Publikum ist überdurchschnittlich, die Frequenz im Wasser hält sich bei Nieselregen doch in Grenzen. Ein hartgesottener Senior dreht wie ein Fischotter ungerührt seine Runden, während alle anderen auf den Holzpritschen am Beckenrand oder unter dem schönen Baumbestand auf ihren Badetüchern verharren.

Sobald sich die Sonne wieder zeigt, füllen sich die Becken. Wer sich als Fremder ins kühle Nass wagt, bekommt Tipps zur besten Bewältigung des Kälteschocks mit auf den Weg. Am besten rasch, so der Tenor. Der Selbstversuch erfolgte dennoch langsam - er lohnte sich. Das kristallklare Quellwasser, das ständig durch das Becken strömt und mineralische Bestandteile aufweist, ist tatsächlich belebend und erfrischend.

Das Thermalbad in Bad Fischau verfügt auch über einen Beach-Volleyballplatz, ein Kleinkinderbecken und einen Wellnessbereich mit finnischer Sauna, Bio-Sauna und Dampfbad (Sanierung: Architekt Bruno Girschik). Es hat das ganze Jahr geöffnet und ziert das Cover des Bandes 56 der Denkmalpflege Niederösterreich: "Bade- und Kuranstalten". Sie liegt in Bad Fischau an der Kassa auf und lässt sich auch gratis downloaden.