Peking. (eb) Per Anhalter durch die Meere mit einem Hai oder einem Wal: Das soll die zentrale Aufgabe eines Unterwasserroboters werden, den die Forscher der chinesischen Beihang University für Luft- und Raumfahrt im Pekinger Stadtteil Haidian entwickelt haben.

Für die Erforschung des Lebens von Walen und Haien ist es unerlässlich, die Tiere mit Sonden zu versehen. Das allerdings stellt vor große Herausforderungen: Die Haut der Wale ist extrem glatt. Die der Haie ist zwar rauer, doch erreichen die Fische Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h. Der Wasserwiderstand reißt dabei die Sonden ab. Deshalb mudssten die Sende- und Messgeräte bisher den Tieren implantiert werden, was wiederholt Kritik von Tierschützern provozierte.

Die Magazine "New Scientist" und "Prikk" berichten, das Team um Li Wen habe sich nun den Schiffshalter zum Vorbild genommen, einen Fisch, der sich speziell an Walen und Haien, aber auch an Schiffsrümpfen festsaugt, und mittels 3D-Drucker einen Roboter gebaut, der einem Plattfisch ähnelt. Mit 1000 feinen Ärmchen aus Kohlenstoff, die in Reihen angeordnet sind, saugt sich der Roboter gewissermaßen an der Oberfläche fest. Die Ärmchen haben einen Durchmesser von gerade einmal 270 Nanometer, also 270 millionstel Millimeter. Sie wirken ähnlich wie die feinen Haare, die es Geckos ermöglichen, an Decken zu laufen, ohne herunterzufallen.

Befestigt auf der Haut eines Hais, hielt der Roboter Zugkräfte aus, die das 340-Fache seines Gewichts von 0,13 Kilogramm ausmachten. Strömungen und Wasserwirbel beeinträchtigen die Haftfähigkeit nicht.

Nathan Lepora von der University of Bristol (Großbritannien) ist tief beeindruckt von der Leistung seiner chinesischen Kollegen und schlägt eine weitere Verwendung des Unterwasserroboters vor, nämlich bei der Überwachung von Unterwasser-Öl-Pipelines.