Immer Perlen, immer Juwelen: Helena Rubinstein genoss ihren selbstgeschaffenen Reichtum. Auch im Labor. - © Archives H. Rubinstein
Immer Perlen, immer Juwelen: Helena Rubinstein genoss ihren selbstgeschaffenen Reichtum. Auch im Labor. - © Archives H. Rubinstein

Von einer besonders "mutigen" Entscheidung berichteten Gesellschaftsgazetten am Dienstag: Die 79-jährige Jane Fonda ließ sich unretuschiert auf ein Magazin-Cover bannen! Potztausend. Was hätte wohl die Grande Dame der Kosmetik, Helena Rubinstein davon gehalten? Womöglich eher weniger. Denn mit dem schönen Schein des perfekten Äußeren hat Rubinstein (1870-1965) ein Millionenvermögen gemacht. Das es ihr etwa ermöglichte, als sie aus purem Antisemitismus eine Wohnung nicht mieten konnte, einfach das ganze Haus zu kaufen.

Der Tochter von Eltern, die beide einer Rabbinerfamilie entstammten, wurde ihre Heimat Krakau zu eng. Sie ging nach Wien, von dort zog sie weiter in die Welt. Ihren Weg als moderne, gewitzte Geschäftsfrau, die ein legendäres Kosmetikimperium etabliert hat, erzählt nun eine kleine, charmante Ausstellung im Jüdischen Museum am Judenplatz.

Wimpernschminke

Ihren ersten Schönheitssalon eröffnete sie 1902 in Melbourne. Ein Foto zeigt, was sich heute dort befindet: ein Pho-Suppenlokal. Macht vielleicht auch schön. Der selbstgesponnenen Legende nach wurde Rubinstein zur Kosmetikherstellerin, weil die australischen Frauen mit ihren sonnengegerbten Gesichtern sie um ihre zarte Haut beneideten. Die konnte sie auf jene Creme zurückführen, von der ihr ihre Mutter 12 Tiegel in den Koffer gepackt hatte. Die rührte sie nun selbst an und verkaufte sie an begierige Lederhäute.

Bei selbstgerührten Cremen blieb es natürlich nicht. Auch eine der großen Schmink-Innovationen, die Rubinstein für sich reklamierte, hatte ihre Wurzeln in Wien: die wasserfeste Wimperntusche. Erfunden hat sie Sängerin Helene Winterstein-Kambersky, von ihr kaufte Rubinstein die Lizenz. 1939 präsentierte Rubinstein, die ein enormes Gespür für Marketing hatte, die neue unverschmierbare Wimperntusche mit einem spektakulären Wasserballett in New York. In der Schau sind die kleinen Tübchen zu sehen, aus der diese Mascara noch mühselig aufgetragen wurde. Erst 1958 wurden die heute üblichen Bürstchen eingeführt - von Helena Rubinstein.

Die nachgerade antiken Mascara-Tübchen ("Wimpernschminke jetzt auch in der Patenttube!") zeigen schon ein Emblem, das lange für die Marke stehen sollte - zwei etwas schief gerutschte Augen. Rubinstein hat sich von Kunst und Kultur schon früh inspirieren lassen. Ein Gastspiel von Sergei Diaghilew mit Ballets Russes in Paris sollte die Farbwelt ihrer Kollektionen prägen: Gold, Orange, Gelb, Purpurrot und Schwarz machten Tiegel und Schächtelchen unverwechselbar. Rubinstein umgab sich gern mit Künstlern und ließ sie für sich arbeiten. Oft waren es auch Emigranten, wie der für seine Demel-Schaufenster berühmte Fritz von Berzeviczy-Pallavicini, von dem ein Foto zu sehen ist, wie er aus der Badewanne heraus Wandgemälde aufträgt. Andere Dokumente zeigen sie mit Salvador Dali oder Frida Kahlo. Adolf Loos sollte ihr eine Wohnung in Paris gestalten, daraus wurde aber nichts. Sie wusste die Kunst auch für ihr Geschäft einzusetzen: Sie kaufte etwa Man Rays surreales Bild, in dem Lippen über einen nackten Körper wachen ("Observatory Time - The Lovers"), um es für ihre Lippenstift-Werbung zu verwenden.

Symbol Lippenstift

Der Lippenstift war sowieso ein wichtiges Produkt im Portfolio, in der Schau sind hübsche Beispiele in Art-Deco-Design zu sehen und ein elendslanger Werbespot, der Hüllen für Lippenstifte anpreist, die man je nach Kleiderfarbe austauschen konnte. Für die Frauenbewegung hat der Lippenstift eine interessante Entwicklung durchgemacht, erzählt Kuratorin Iris Meder: Zu Rubinsteins Karrierebeginn galt er als Symbol der Befreiung und Selbständigkeit, in der nächsten Welle des Feminismus wurde er wieder als Zeichen der Unterdrückung verteufelt.

Ein Wahlspruch von Helena Rubinstein war: "Es gibt keine hässlichen Frauen, es gibt nur faule." So heiter dieser Satz klingt, so sehr konnte man ihn auch in den falschen Hals bekommen. Wenn man sich die Zeit nicht nehmen konnte oder nicht über das Geld verfügte, um sich mit Rubinstein-Produkten aufzurüscherln.

Dem Jüdischen Museum ist ein kurzweiliger Blick auf eine beeindruckende, im besten Sinne mondäne Frau gelungen, die es auch verstand, ihren Reichtum zu genießen. Und ein Blick in eine altertümliche Schönheits-Doktrin, der spätestens dann zum Nachdenken verleitet, wenn über einer Werbung steht: "Frauen über 30 braucht man das Älterwerden nicht anzusehen!"

Ausstellung

Helena Rubinstein

Jüdisches Museum Judenplatz