Früher war bekanntlich nicht nur mehr Lametta, es wurde auch noch mehr überrascht zu Weihnachten. Da soll es Zeiten gegeben haben, in denen Kinder nicht forsch davon ausgingen, jeden einzelnen Posten ihres Wunschzettels unterm Baum zu finden. Man reichte sich nicht formlos gegenseitig die am ehesten brauchbaren Produktlinks vom Onlineversandgiganten weiter, man wusste schlicht und einfach nicht, was das Christkind bringen wird. Gut, für manche war es auch schon eine Überraschung, wenn der Christbaum nicht schon am Heiligen Abend bar aller Nadeln dastand.

Aber dann gab es dieses Leuchten in den Augen. Um dieses wieder ohne LED-Hilfe zu reaktivieren, hat das Team des Feuilletons seine eigenen größten Überraschungen des Jahres als Geschenktipps gesammelt - damit dieses eigentlich so innig mit Weihnachten verbundene Gefühl eine kleine Renaissance erleben kann.

"Stets findet Überraschung statt. Da, wo man’s nicht erwartet hat", wusste bereits Wilhelm Busch. Die Wiener Kammerspiele waren die längste Zeit verschrien als Stätte derben Schenkelklopferhumors. Mit "Terror" steht nun aber völlig unerwartet ein tiefsinniger und unglaublich gut gelungener Theaterabend am Spielplan (noch bis 27. Mai): "Terror" ist Ferdinand von Schirachs Gerichtsdrama, in dem ein Kampfpilot angeklagt wird, 164 Flugzeuginsassen getötet zu haben, um 70.000 Stadionbesucher vor dem sicheren Terrortod zu retten. Macht dies den Piloten zum Verbrecher? Zum Helden? Das Publikum entscheidet über Schuld oder Unschuld. Ein Erlebnis.Petra Paterno

Noch wird er in ausgewählten Kinos gezeigt, die DVD in Originalsprache ist bereits im Handel erhältlich: Der Spielfilm "Maudie" der irischen Regisseurin Aisling Walsh überrascht durch seine unprätentiöse Liebesgeschichte zwischen der kanadischen Folklore-Malerin Maud Lewis (Sally Hawkins) und dem grantigen Fischer Everett (Ethan Hawke). Ohne Kitsch, ohne Rührseligkeit und mit nur wenigen Worten zeigt Walsh den Kampfgeist einer schwer an Arthritis Erkrankten, die allen Widersachern zum Trotz Berühmtheit erlangt und das Glück findet.Verena Franke

H. P. Lovecraft wäre ein abgeschlossener Fall? - Mitnichten! Der Erfinder des modernen Horrors ist mit seinen Ängsten und der Beschwörung eines sinnlosen Seins in einem irrsinnigen Universum aktueller denn je. Die Ausgabe bei Fischer-TOR überrascht selbst Kenner, die alles über den Mann aus Providence zu wissen glaubten: eine Auswahl der wichtigsten Erzählungen in atemberaubenden neuen Übersetzungen, massenhaft Material und Essays zum sinistren Werk und seinem wunderlichen Urheber. Rund 900 Seiten, auf denen man sich verlieren kann. Ein Gruselgroßereignis!Edwin Baumgartner