Die Gruppe Alma nähert die Volksmusik an den Pop an. - © Almamusik/Daliah Spiegel
Die Gruppe Alma nähert die Volksmusik an den Pop an. - © Almamusik/Daliah Spiegel

Volksmusik. Ein Wort ohne Gnade. Denn, einmal ausgesprochen, verfrachtet es einen sofort in eine Welt, in der die Simplizität der musikalischen Arrangements jener der Erklärungsversuche von sozialpolitischen Gegebenheiten der Zuhörer entspricht. Wo rechts und rechts einander die Hände reichen und schunkelnde Menschen einen zu erdrücken drohen. Umtata. Umtata. Ein Wort, das sich eng an die Schlagermusik schmiegt und aus diesem Grund in Kreisen, die sich als links oder gar intellektuell verstehen, eher Magenschmerzen verursacht.
Davon meinen diese Menschen "a Liad" singen zu können.

So weit das Klischee. Erst kürzlich wurde dieses auch in einer österreichischen Tageszeitung breitgetreten, mit Fingerzeig auf die Rechtslastigkeit der Volksmusikszene. Klischees aber zeichnen sich dadurch aus, dass sie zwar von vielen Menschen als Wahrheit hingenommen werden, oft jedoch schlichtweg falsch sind.

So auch in diesem Fall. Denn der Begriff Volksmusik ist nicht nur per se schon schwer einheitlich zu definieren, er wird gemeinläufig auch noch mit der Volkstümlichen Musik durcheinandergewirbelt, was zusätzliche Verwirrung stiftet.

Volksmusik braucht Mut

Volksmusik im weitesten Sinne umfasst jede Musik, die der Mensch für sich produziert, im Alltag, auf Festen, zuhause. Der Begriff entstand vor 250 Jahren bei Johann Gottfried Herder. Mit Volk war damals noch das Landvolk gemeint und damit gut 80 Prozent der Bevölkerung. Insofern kann der Begriff heute nicht mehr das gleiche bezeichnen, schon allein weil "das Volk" nicht mehr dasselbe ist. Dazu kommt, dass der Nationalsozialismus das Volk auf selektive Weise neu definiert hat. Dementsprechend veränderte sich die Konnotation des Terminus erneut - dementsprechend schal ist heute der Beigeschmack des Begriffs Volksmusik.

Der schlechte Ruf, der diesem Genre in manchen Kreisen anhaftet, gleichsam als Musik, die nicht mehr Raum als für drei Akkorde und eine konservative Weltsicht lässt, stammt noch von daher und wird nur noch von der Volkstümlichen Musik und dem Schlager am Leben erhalten. Von diesen Genres möchte sich die Volksmusik freilich gerne abgegrenzt wissen, was in der öffentlichen Wahrnehmung nicht immer gelingt, trotz der Versuche, sich unter neuen Namen wie Volxmusik oder Neue Volksmusik besser zu verkaufen.

Es braucht daher in erster Linie Mut, wenn man sich als junger Mensch in Österreich dafür entscheidet, Teil dieser Welt zu sein. Bewiesen haben diesen eine Handvoll Musikerinnen und Musiker, deren Ziel es ist, den Volksmusikgedanken weiterzuspinnen, wenn auch auf einer anderen Ebene. Viele junge Volksmusikformationen bereichern inzwischen die österreichische Musikszene. Musiker, die den Laden von innen verändern, ob bewusst oder unbewusst, und die den traditionellen Begriff damit komplett auf den Kopf stellen. Alpenland und Edelweißgefühl rutschen in den Hintergrund, gerade so weit, dass es noch spürbar und gut verträglich ist. Zwar wird Heimatverbundenheit vermittelt, nur ist der Heimatbegriff ein anderer.