Palermo garantiert keine Liebe auf den ersten Blick. Vielmehr wirkt die Inselmetropole bei der Ankunft laut, chaotisch und unübersichtlich. Der Weg zu seinen Denkmälern führt in ein 3000 Jahre altes Labyrinth: zu den zahllosen steinernen Zeugnissen, mit denen die jeweiligen Eroberer die Stadt immer wieder neu gestaltet haben. Irritiert steht mancher Besucher da und fragt sich: Sind San Cataldo und San Giovanni degli Eremiti mit ihren rosafarbenen Kuppeln denn nun Kirchen ? Oder vielleicht nicht doch Moscheen ?

Sogar die Palermitaner tun sich da manchmal schwer. Phönizier, Griechen, Byzantiner, Normannen, Spanier, sie alle haben Siziliens Geschichte mitgeschrieben. Bereits im 8. Jahrhundert vor Christus war Palermo eine phönizische Handelskolonie. Doch erst als die Araber die Inselmetropole Anfang des 9. Jahrhunderts zur Hauptstadt ihres sizilianischen Emirats machten, erwachte die Stadt zu wahrer Blüte. Sie bauten Lustschlösser und an die 300 Moscheen - und legten Zitrushaine an, die der Stadt den schmeichelhaften Namen "Conca d’Oro", die goldene Muschel, einbrachten. Reisende in jener Epoche sollen "Balarm" mit Cordoba und Kairo verglichen haben. Noch die normannischen Kaiser engagierten islamische Architekten für ihre glanzvollen Residenzen und Kirchen, die heute die Hauptattraktion für einen ständig wachsenden Tourismus sind.

Visconti-Flair

Palermo hat sich wiederentdeckt. Wer noch vor wenigen Jahrzehnten in die von der Mafia gebeutelte Stadt kam, stand in tristen Gassen vor verriegelten Gotteshäusern und verfallenen Adelspalästen mit einst prächtigen Innenhöfen, die nun als Müllhalden dienten. Die meisten Projekte zur Stadtsanierung kamen über die ersten symbolischen Arbeiten nicht hinaus. Gelder aus Rom und Brüssel verschwanden in den Taschen korrupter Bauunternehmer, die mit käuflichen Stadträten unter einer Decke steckten. Bis der Krieg der Mafia Anfang der 90er Jahre mit der Ermordung der beiden Untersuchungsrichter Borsellino und Falcone seinen Höhepunkt erreichte und die Tole- ranzgrenze der Palermitaner endgültig überschritten war. Eine wachsende Anti-Mafia-Bewegung brachte neue Gesichter und vor allem einen kompromisslosen Bürgermeister ins Rathaus. Der Wille zum Aufbruch war da.

Nach und nach wurden Straßen neu gepflastert und Teile der Altstadt saniert. In ehemalige Adelspaläste zogen Galerien und Luxushotels ein, die ein wenig "Gattopardo-Atmosphäre" wie im Visconti-Film versprühen. Couragierte Wirte eröffneten neue oder restaurierten alte Restaurants. Und vor allem wurde nach fast 30 Jahren das "Teatro Massimo", eines der größten Opernhäuser Europas und ganzer Stolz der Palermitaner, wieder seiner Bestimmung übergeben.