Aufschauen zum Helden - doch Herakles mistete auch die Ställe des Augias aus. - © noscere
Aufschauen zum Helden - doch Herakles mistete auch die Ställe des Augias aus. - © noscere

Den Nemeischen Löwen erlegen - das war eine Heldentat. Obwohl: WWF-konform war das nicht, das Löwenleben der Argolis hat sich davon nie wieder erholt. Die Hydra von Lerna zu erschlagen, war dann die nächste Tierquälerei, dafür hätte der halbgöttliche Muskelmann einen Internet-Shitstorm sondergleichen kassiert, und recht wäre ihm geschehen. Vielleicht wird Herakles ja wirklich nur als Held gefeiert, weil die Griechen seinerzeit einen Homer hatten und einen Aristoteles, aber weder Twitter noch Facebook. Zeiten waren das...!

Wobei sich die Sache mit dem Heldentum bis in unsere Tage fortsetzt. Der eine ist ein Held des Sports, die andere eine der Mode - und umgekehrt. Die Bezeichnung Held wird heute schnell jeder und jedem umgehängt, der mit irgendetwas aus der Masse heraussticht. Das Wort ist abgebraucht. Gerade darum sollte man es aber befragen und dabei vielleicht auch unterhöhlen.

Probleme der Definition

Auf einem ihrer (übrigens unbedingt empfehlenswerten) Wiener Frauenspaziergänge kam die Kulturvermittlerin Petra Unger unlängst auf dem Heldenplatz auf das Thema zu sprechen. Sie definierte "Held" sinngemäß als jemanden, der aus uneigennützigen Beweggründen und oft auch ohne eigenen Antrieb in einer Situation etwas Herausragendes für die Allgemeinheit vollbringt und dabei stirbt oder charakterlich verändert zurückkehrt. Das ist eine klassische neutrale Definition, die man gerne unterschreiben möchte. "In der Behauptung einer großen Sache unter Widerwärtigkeiten und Gefahren bildet sich der Held", formulierte es der deutsche Historiker Leopold von Ranke.

Solche Definitionen bergen freilich auch Gefahren, denn wer setzt fest, was "herausragend für die Allgemeinheit", wer, was "eine große Sache" ist? Davon hängt beispielsweise ab, ob man Stalin als Helden verehrt oder als Verbrecher verabscheut.

Demnächst ist solch ein Heldengedenktag - und er wird tatsächlich in diversen Militärfliegerkreisen begangen: Am 21. April 1918 wurde der deutsche Jagdflieger Manfred von Richthofen bei Vaux-sur-Somme, Département Somme, tödlich verwundet. Als "Roter Baron" ging er in die Geschichte der Fliegerei ein, da er mit seinem rot angestrichenen Dreidecker die höchste Zahl von Luftsiegen im Ersten Weltkrieg erzielt hatte. Der Jagdflieger-Baron ging als Held in zwei Spielfilme und ein Computerspiel ein, und in der Comicreihe "Die Peanuts" erscheint der Rote Baron in der Fantasie von Snoopy als dessen Feind. Auf dem Comic basiert dann auch das Lied "Snoopy vs. the Red Baron" von The Royal
Guardsmen.