Wer in Tokio war und ein bisschen etwas für Technik übrig hat, der wird schon vor diesem Riesenroboter gestanden sein. Jeder Japantourist sollte ihn kennen. Gundam heißt er, benannt nach dem gleichnamigen japanischen Anime-Universum. Er ragt direkt vor einem achtstöckigen Einkaufszentrum und lässt dies aus der Nähe fast klein wirken. Und wenn man so davorsteht, zum Kopf dieses Giganten aufschaut, muss man an all die Science-Fiction-Storys mit Robotern und Maschinenmutanten denken, sich träumend fragen: Wie wäre das wohl, im Kopf so eines Kampfroboters zu sitzen, ihn zu steuern?

Mittlerweile ist das kein Traum mehr. Kürzlich fand, an einem geheimen Ort zu einer geheimen Zeit, ein Kampf zwischen zwei durch Menschen gesteuerten Robotern statt. Die Kontrahenten sind der US-amerikanische Roboterbauer Megabots und der japanische Konstrukteur Suidobashi Heavy Industries. Beide Unternehmen stellen solche Maschinen her, mit denen sie eines vielleicht Tages regelmäßige Turniere organisieren wollen. Das jetzige Duell könnte der erste Schritt sein.

Die Provokation ging vor zwei Jahren von den USA aus, wo sich die Tüftler mit dem älteren Vorbild aus Japan messen wollten: "Suidobashi, wir haben einen riesigen Roboter, ihr habt einen riesigen Roboter. Ihr wisst, was jetzt passieren muss. Wir fordern euch zu einem Duell heraus." Kogoro Kurata, Chef von Suidobashi Heavy Industries, stieg ein. "Irgendwas in großen Dimensionen bauen und Gewehre ranstecken. Typisch amerikanisch." Er könne das nicht nur besser, er werde auch die nationale Ehre verteidigen. "Riesenroboter sind eine Sache aus Japan. Dieses Match dürfen wir nicht verlieren." Die einzige Bedingung von Kogoro Kurata für die Schlacht: Im Mêlée-Stil müsste sie sein, also Nahkampf, ohne irgendwelche einengenden Regeln. Das ist auch schon eine der ersten Kuriositäten dieses Duells: Beide Hersteller wussten nicht so recht, worauf sie sich beim Gegenüber vorbereiten sollen. Einige Videos kursieren seit langem online, aber wären diese Modelle schon komplett?

Schrotflinte mit
Wasserpatronen

Über den japanischen Roboter Kuratas ist ungefähr so viel bekannt gewesen, dass er 13 Fuß hoch ist, auf Rollen fährt und eine Höchstgeschwindigkeit von zehn Stundenkilometern erreicht. Durch die eigens entwickelte Software V-Sido kann man vom in der Mitte befindlichen Cockpit aus den Torso und die Arme bewegen.

Die vier Rollen lassen sich zusammen- und auseinanderfahren, wodurch die Höheposition des Cockpits verstellbar wird. Der Motor tankt Diesel. Und dann sind da die Waffen: Der "Lohas Launcher" - angeblich ökofreundlich und sicher für Menschen, trotzdem aber gefährlich für andere Roboter - schießt Wasserpatronen. Sonderlich zielgenau soll er nicht sein, eher gemäß dem Schrotflintenprinzip. Hinzu kommt die "Twin Gatlin Gun", die 600 Bleipatronen in der Minute abfeuern kann. Ausgelöst wird sie durch ein Lächeln des Piloten im Cockpit, identifiziert durch eine mit dem System V-Sido verbundene Kamera. An der Außenseite von Kuratas lässt sich wiederum der Feind durch ein Trackingsystem per Kamera einfangen und anvisieren.