Leben ist Bewegung. Und MIV ist miefig.

Kommen wir jetzt aber bitte nicht mit der Gerölllawine, die sich bewegt, ohne zu leben. MIV ist übrigens der motorisierte Individualverkehr. Das eine hat mit dem anderen so viel zu tun, dass diese Woche die Woche der Bewegung ist - und zwar der umweltschonenden Bewegung, das heißt: zu Fuß, zu Rad und zu Öffi. Mittlerweile wohl auch zu E-Bike, Segway und zu Motorscooter - und wenn die E-Biker, Segwayer und Scooteristen endlich ihre Kraxen so weit beherrschen würden, dass sie keine anderen Verkehrsteilnehmer mehr in unmittelbare Wegspringnotwendigkeit versetzen, wäre gegen sie ja auch gar nichts einzuwenden.

Am 22. September ist dann das Sportfest im Prater, damit beginnt die auch vom ORF gecoverte Europäische Woche des Sports. Sport ist gut - aber, Hand aufs Herz: Für Nichtsportler klingt Sport wirklich nach Mord. Immer diese Reizwörter! Bewegung ist etwas anderes. Bewegung ist zumutbar. "Zu unserer Natur gehört die Bewegung; die vollkommene Ruhe ist der Tod", sagt der französische Naturwissenschafter Blaise Pascal, und der deutsche Schriftsteller Theodor Fontane könnte glatt das Motto für diese zwei Wochen liefern: "Luft und Bewegung sind die eigentlichen geheimen Sanitätsräte."

Bewegung kann übrigens etwas durch und durch Subversives an sich haben. Wenn sich etwas in Bewegung setzt, kann das den Herrschenden ja wirklich die Grausbirnen aufsteigen lassen.

Bewegungen sind nicht kontrollierbar. Das "Panta rhei" ("alles fließt") des griechischen Philosophen Herakleitos, das vielleicht auch den sowieso immer anarchisch gesinnten Hanns Henny Jahnn zum Titel seiner monumentalen Romantrilogie "Fluss ohne Ufer" inspiriert hat, bekommt in diesem Zusammenhang etwas Bedrohliches. Immerhin sind Demonstrationszüge in Bewegung - von Revolutionen gar nicht erst zu reden: Revolution, das bedeutet Umwälzung - Umwälzung ist Bewegung. Das Verharren auf dem Punkt freilich ist bequem für den Verharrenden und sicher für den Machthaber.

Die Frau auf dem Fahrrad

Etwas in Bewegung setzen: Das können Kleinigkeiten sein - was aus ihnen hervorwachsen kann, ist unabsehbar. Zum Beispiel gehört eine Frau auf einem Fahrrad zum ganz normalen Straßenbild - heute. Man braucht gar nicht so weit zurückzuschauen, da war das ein Ding der Unmöglichkeit.

100 Jahre erst ist es her, dass Frauen sich nach Lust und Laune bewegen und Sport treiben dürfen - obwohl ihnen in vielen Bereichen bis heute Steine in den Weg gelegt werden, etwa durch Abwertung ihrer sportlichen Tätigkeit: Man denke etwa nur an das Thema Frauenfußball.