Stimmen die Berichte, so scheint sich in der Angelegenheit die Denkweise der obersten Schicht in der Elite des Landes zu offenbaren. Wer sich Geld leihen muss, um seine Ziele zu verwirklichen, ist ein rotes Tuch? Das zutiefst bürgerliche Vorhaben, sich Liquidität für eine solide Ausbildung zu beschaffen und seine Verbindlichkeiten später, mit den Einkünften aus eigener Arbeit zurückzuzahlen, scheint in den exklusivsten Kreisen jedenfalls eher wie eine Last als wie eine Tugend angesehen zu werden. Im Japan dieser Jahre sendet dies ein seltsam abgehobenes Signal. Seit die Volkswirtschaft nach einem jahrzehntelang fast ununterbrochenen Boom 1990 in eine tiefe Krise rutschte, hat sich der Arbeitsmarkt zusehends prekarisiert. Vollzeitjobs mit Sozialversicherung und Arbeitsplatzsicherheit sind Mangelware, von den jungen Erwachsenen hat kaum mehr die Hälfte so einen begehrten Job.

Traditionelle Rollenbilder

Gleichzeitig ist es noch immer üblich, dass bei einer Schwangerschaft die Frau aus dem Job ausscheidet, um für Kind und Haushalt zu sorgen. Die vielen traditionell orientierten, oder schlicht pragmatischen Frauen im Land suchen deshalb oft nach einem Partner mit solidem und stabilem Einkommen. So ist die finanzielle Situation der Generation junger Erwachsener auch ein Grund, warum viele Menschen heute als Singles leben. Von jenen Frauen, die gern einen Partner hätten, würden viele für einen angehenden Anwalt mit Fremdsprachenkenntnissen, wie Prinzessin Makos Bräutigam in spe Kei Komuro einer ist, wohl einiges geben. Zumal in Japan, das sich seit Jahren internationalisieren will, dessen Einwohner aber bis heute überwiegend dürftige Englischkenntnisse haben.

Falls das Problem für die Eltern von Prinzessin Mako tatsächlich der soziale Status von Komuro ist, könnte dies vielen jungen Japanern sauer aufstoßen. Zugleich wirft der Fall nicht nur Fragen über die Exklusivität der Kaiserfamilie auf, sondern auch über die Funktion, die das Adelsgeschlecht in der Gesellschaft ausfüllen will.

Anders als die Königshäuser von Großbritannien, Spanien oder anderen Ländern, die ihre Privilegien auch dadurch rechtfertigen, dass sie sich gelegentlich vor der Kamera zum Affen machen und damit die Gesellschaft unterhalten, sind in Japan kaum Eskapaden zu beobachten. Kein Kaiser wurde je auf der Elefantenjagd erwischt wie Spaniens König Juan Carlos, Heranwachsende machen auch keine Partys in Nazikostümen wie Großbritanniens Prinz Harry. Die japanische Garde ist zurückhaltend, seriös, bedacht. Zu bedacht, könnte man nun meinen.

Verlässt nämlich eine Prinzessin den Hof, wird sie vom Staat laut Gesetz mit rund 100 Millionen Yen (rund 778.000 Euro) ausgestattet, um den Übergang in den neuen Alltag möglichst reibungsfrei zu ermöglichen. Das bürgerliche Leben bleibt also ziemlich unbürgerlich. Zumal dann, wenn schon der Bräutigam keine Geldsorgen haben darf.

Eine vorgelebte heile Welt

Apologeten interpretieren die Zögerlichkeit bei der Genehmigung von Makos Hochzeit nun damit, dass man die japanische Bevölkerung nicht vor den Kopf stoßen will, indem auf Kosten der Gesellschaft diese Unsummen an Geld freigesetzt würden. Kritiker vermuten dagegen, dass die Kaiserfamilie ihrem Volk eine heile Welt vorleben will, in der Geld keine Rolle spielen soll, Kei Komuro deshalb nicht der Richtige wäre. Schließlich gab es die üppige Mitgift auch schon für Makos Vorgängerinnen.