Persönlichkeiten wie Fritz Grünbaum stehen für den Schlager der Zwischenkriegszeit. - © Wienbibliothek
Persönlichkeiten wie Fritz Grünbaum stehen für den Schlager der Zwischenkriegszeit. - © Wienbibliothek

"Veronika, der Lenz ist da!" Hinter diesem Evergreen aus den 1920er Jahren standen zwei gebürtige Wiener, der Textdichter Fritz Rotter und der Komponist Walter Jurmann. Es passte daher gut, dass das Musikprogramm zur Eröffnung der Ausstellung "100% Schlager" - Wiener machen Schlager 1918-1938" mit diesem Lied, das die Comedian Harmonists in Deutschland besonders populär gemacht haben, begann. Rotter, der auch mit Nonsens-Schlagertiteln Furore machte ("Was macht der Mayer am Himalaya?", "Heut ist die Käthe etepetete"), und Jurmann hatten später auch als Schöpfer von Filmmusik Erfolg.

Ehe ein Lied zum Evergreen wird, muss es einmal ein Schlager gewesen sein, und mit solchen Werken befasst sich die kleine Schau in den sehenswerten Loos-Räumen der Wienbibliothek. Sie widmet sich den Textautoren und Komponisten der Zwischenkriegszeit, die aus Wien stammten oder hier kreativ tätig waren. Nicht wenige von ihnen wurden in der NS-Zeit vertrieben, verfolgt oder sogar ermordet.

Großer Bedarf an Unterhaltung

Der Begriff Schlager kam für Melodien auf, die beim Publikum einschlugen - erstmals 1867 beim Donauwalzer. Nach 1918 ging man mit dem Wort großzügig um, nicht jeder deutschsprachige Schlager ist einem Hit gleichzusetzen, obwohl dieser englische Begriff eine ähnliche Bedeutung hat. Wesentlich für den Schlager wurden die Entwicklung der Tanzmusik, des Radios - am 1. Oktober 1924 begann in Österreich der Sendebetrieb - und des Tonfilms. Der Bedarf an Unterhaltung war damals groß, trotz oder wegen Nachkriegszeit, Hyperinflation, Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit, mit nur wenigen unbeschwerten Jahren dazwischen. Das Alltagsleben spiegelte sich im Schlager, das galt für das Radio ("Die schöne Adrienne hat eine Hochantenne") ebenso wie für die Fußballbegeisterung ("Heute spielt der Uridil").

Kurator der Ausstellung ist der Musikwissenschafter Wolfgang Stanicek, der 2017 eine Biografie des Textdichters Erich Meder (Kral Verlag) veröffentlich hat. Stanicek holt die "Schlager-Macher" aus Wien vor den Vorhang, etwa Ralph Benatzky und Fritz Grünbaum oder - als einzige Frau - Hilde Loewe-Flatter, die das Pseudonym "Henry Love" benutzte, während ihr Mann Fritz Löhner sich "Beda" nannte. Schautafeln zeigen, wie sich Kreativität und Kommerz verbanden, Schlager und Film zusammenfanden und welche Rolle die damals populären Tänze (Foxtrott, Tango, Shimmy und Charleston) spielten. Die Objekte - Partituren, Platten, Musikdrucke, Bilder - stammen durchwegs aus den Beständen der Wienbibliothek. Im Zusammenhang mit dem Schlager "Schöner Gigolo" erinnert ein Text, der den späteren großen Hollywood-Regisseur Billy Wilder betrifft, an die Eintänzer der 1920er Jahre.

Den damaligen Texten mangelte es völlig an heutiger politischer Korrektheit, doch keineswegs an schlüpfrigen Passagen, etwa in Schlagern wie "Ich hab’ das Fräul’n Helen’ baden seh’n". Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder? Wer mittels Kopfhörer in beliebte Schlager jener Zeit hineinhört, wird beruhigt feststellen, dass alles schon einmal dagewesen ist. Wie heute "Cordula Grün" wurde seinerzeit "Donna Clara" mit dem Satz besungen: "Ich hab’ dich tanzen gesehen."