"Ich bin doch ned deppad, i fohr wieder z’haus." Das hat der Thronfolger bekanntlich nicht gesagt, nachdem er schon - erstmal erfolglos - mit einer Bombe in Sarajewo beworfen wurde. In Hannes Steins Roman "Der Komet" jedoch, da hat Franz Ferdinand diesen Satz gesagt. Und siehe da: Es gab keinen Ersten Weltkrieg. Und Österreich ist in dieser außerordentlich amüsanten Geschichtsfiktion nach wie vor eine etwas reformbedürftige, aber doch noch intakte Donaumonarchie in einer gemütlichen Jetztzeit. In den Klatschmagazinen wird berichtet, dass die Kaiserin in Sandalen (!) gesichtet worden sein soll. Handys gibt es nicht, dafür Telefonzellen mit kaiserlichem Emblem. Und auf dem Flieger zum Mond, der sich kaum unterscheidet vom üblichen Urlaubscharter, prangt auch der Doppeladler.

Bizarres Hierarchiekonstrukt

Das ist Literatur. Die Realität sieht anders aus. Wobei, sie sieht gar nicht so anders aus. Natürlich ist die Staatsform der Monarchie vor 100 Jahren gewichen, aber ihre Insignien bleiben präsent. Zumindest in der Wiener Innenstadt. Dort stolpert man auch heute noch über eine treffliche Anzahl an Doppeladlern. Etwa in der Bräunerstraße, dort befindet sich ein besonders prachtvolles goldenes Exemplar, es gehört zum k.u.k. Hofschuhmacher Rudolf Scheer. Und schräg gegenüber kann man gleich einen Schwarm an Doppeladlern entdecken. In der "Schildermanufaktur" widmet man sich einer Leidenschaft der Österreicher, die ihren Ursprung in der Monarchie hat - die Freude an der Titelverleihung. In dem kleinen Geschäft geht man mit Humor und einem gerüttelten Maß K.u.k.-Nostalgie an die Sache heran: Da gibt es etwa das Schild für den "Kaiserlich landesbefugten Philatelisten" genauso wie für den "Hochlöblichen Traktorliebhaber". Ein Schild für einen hochwohllöblichen Hofrat ließe sich wohl auch anfertigen. Oder für einen Medizinal-, Ministerial-, Kommerzial- oder Ökonomierat. Alles Relikte aus dem ausufernden Beamtenapparat der Monarchie. Die Titel hatten damals den Zweck, Ordnung in einem mitunter bizarren Hierarchiekonstrukt zu schaffen. Aber oft waren sie auch einfach ein Trostpreis: Sie wurden als Entschädigung für schlechte Entlohnung großzügig vergeben.

Der Beamtenapparat mag erschlankt sein, die Titulatur ist es nicht. Allein wenn man online ein Ticket im Burgtheater kaufen will, kann man aus 200 Titeln wählen. Das ist freilich nur ein Bruchteil der stattlichen Anzahl von 900 Titeln, die der Jurist Heinz Kasparovsky in seinem Standardwerk zum Thema auflistet.