"The Skater", Gemälde des Goethe-Zeitgenossen Gilbert Stuart. - © Weimar on Ice
"The Skater", Gemälde des Goethe-Zeitgenossen Gilbert Stuart. - © Weimar on Ice

Weimar. Wann kommt er, der Weihnachtsschnee? Eines ist sicher: Noch bis 5. Jänner 2019 können Winterliebhaber in Weimar bei "Weimar on Ice" unter Schillers und Goethes Blick über die Eisbahn auf dem Theaterplatz schweben. Anmutig stehen die beiden großen Dichter, die auch im wahren Leben Freunde waren, vor dem Deutschen Nationaltheater. Johann Wolfgang von Goethe liebte die magische Atmosphäre sonniger Wintertage und sternklarer Eisnächte. Alljährlich sehnte er sich den Winter herbei. In einem Brief an Leutnant Demars beschrieb er diese ganz besondere Vorfreude: "Wann wirst du wiederkommen wohltätiger Winter, die Wasser befestigen dass wir unsern Schlittschuhtanz wieder anfangen!" 

Für Goethe war ein Winter erst richtig gelungen, wenn er Eislaufen konnte. In seiner Wahlheimat Weimar zog es ihn regelmäßig aufs Eis. Abends zelebrierte er mit seinen Weimarer Freunden Eisfeste. Wer heute beim Eisspektakel auf dem Theaterplatz teilnimmt, kann es ihm nachfühlen. Als Highlights gab es zu Goethes Zeiten Konzerte und Feuerwerk. In "Dichtung und Wahrheit" hielt er seine Eindrücke fest: "Einen herrlichen Sonnentag so auf dem Eise zu verbringen, genügte uns nicht; wir setzten unsere Bewegung bis spät in die Nacht fort. Denn wie andere Anstrengungen den Leib ermüden, so verleiht ihm diese eine immer neue Schwungkraft. Der über den nächtlichen, weiten, zu Eisfeldern überfrorenen Wiesen aus den Wolken hervortretende Vollmond, die unserem Lauf entgegensäuselnde Nachtluft, des bei abnehmendem Wasser sich senkenden Eises ernsthafter Donner, unserer eigenen Bewegungen sonderbarer Nachhall, vergegenwärtigen uns Ossianische Szenen ganz vollkommen."

Auf eisiger Brautschau

Der gebürtige Frankfurter kam auf Einladung von Herzog Karl August nach Weimar. Der Herzog und seine Braut Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt empfingen den sechsundzwanzigjährigen Dichter am 7. November 1775 frühmorgens in Weimar. Die drei verbrachten zusammen mit Goethes Geliebter Charlotte von Stein viele Wintertage auf dem Eis. Kurz nach seiner Ankunft ließ sich Goethe drei Schlittschuhpaare aus der alten Heimat Frankfurt schicken.

Im Dezember 1775 berichtete er in einem geharnischten Brief an seinen Arzt Dr. Zimmermann: "Heute den ganzen Tag auf dem Eis." Nicht alle gönnten ihm und seinen Freunden den kleinen Spaß. Gräfin Görtz giftete in einem Brief an ihren Mann: "Die verrückte Frau von Stein verbringt den ganzen Tag auf dem Eis, von morgens neun bis ein Uhr, nachmittags von drei bis sechs oder sieben: das nennt man ‚Geist haben‘! Bald wird sie sich nur noch auf Schlittschuhen sehen lassen, eine so lächerliche Figur sie dabei macht."