• vom 31.12.2018, 08:05 Uhr

Kultur


Die Welt 2050

Optimierte Menschlichkeit




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Von Judith Belfkih

  • Zwischen digital gelebter Sexualität und streichelnden Pflegerobotern blühen Nutzen und Schrecken menschlichen Effizienzstrebens.

- © WZ-Illustrationen: Irma Tulek

© WZ-Illustrationen: Irma Tulek

Das Auslagern unliebsamer, anstrengender oder sonstwie problematischer Tätigkeiten ist eines der evolutionären Programme der Menschheit. Und wohl auch ihr Erfolgsrezept. Es reicht von ersten Ideen der Arbeitsteilung der Urmenschen bis zur Hyperspezialisierung der modernen Gesellschaft. Der Gedanke der Effizienz zieht sich durch etliche Stationen dazwischen - und hat sich nach und nach in allen Lebensbereichen als Maxime etabliert.

Auch sich selbst sucht der Mensch seit seiner Bewusstwerdung zu optimieren, effizienter zu machen. Durch die Steigerung von Lebenszeit und -qualität aufgrund medizinischen Fortschritts, mehr Kraft und Konzentration durch zielgerichtete Ernährung und Training; durch das Delegieren monotoner oder gefährlicher Tätigkeiten an immer komplexere Maschinen. Und schließlich durch die Vision der Kompensation der eigenen Mängel und Schwächen durch die Verschmelzung mit Technik. Alles inspiriert vom Gedanken des Fortschritts und der steten Weiterentwicklung.


Delegierte
Menschlichkeit

Virtuell gelebte Sexualität, Altenpflege mit Streichelrobotern, Fortpflanzung im Reagenzglas - auch vor dem Delegieren von zwischenmenschlichen Tätigkeiten an die Technik hat das große Auslagern nicht Halt gemacht. Doch wie viel Zwischenmenschliches lässt sich delegieren? Wo ist es hilfreich, auf Automatisierung zurückzugreifen? Wann entlastet es konkrete Beziehungen und damit letztlich die Gesellschaft in der Verantwortung dem Einzelnen gegenüber? Wo entsteht die Gefahr, Menschlichkeit an Maschinen zu delegieren? Und wie perfekt kann und darf der Einzelne dabei werden, ohne aufzuhören, Mensch zu sein?

Eine Tätigkeit an eine Maschine abzutreten, passiert meist aus einer Problemsituation heraus. Der Mensch gerät an Grenzen und entwickelt Technik, die ihn entlastet. Ein innerfamiliärer Streit um die Betreuung der Großmutter, gesellschaftlich betrachtet das Fehlen von Pflegekräften oder massive Überalterung sind solche Szenarien; ebenso wie nicht gelebte oder befriedigte Sexualität beziehungsweise basaler das Bedürfnis nach Zuneigung und Zärtlichkeit - sei es, weil Menschen keinen Partner finden, in komplexe Abhängigkeiten geraten oder ihre körperlichen Sehnsüchte aus anderen Gründen nicht leben können. Die zu Hilfe gezogene Technik - von der Sexpuppe bis zum Pflegeroboter - schafft hier maßgeschneidert Befriedigung im vielfachen Sinne.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-12-28 12:56:31
Letzte Änderung am 2018-12-28 17:37:23


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