Subtiler Unsinn: beide Bilder aus dem Comic "Das Ritual". - © Nicolas Mahler
Subtiler Unsinn: beide Bilder aus dem Comic "Das Ritual". - © Nicolas Mahler

Außerirdische sind auf der Erde eingetroffen. Figuren mit langen Nasen, ihre Arme reichen bis zum Boden, von ihren Helmen ragen stockartige Antennen. Aufgrund ihrer hohen Entwicklungsphase sind sie "in der Lage, (sich) jeder Form des Lebens anzupassen".

Gerufen hat sie Professor Mumufuku, der sich an all jenen rächen will, die ihn für verrückt hielten und ihn aus der Gesellschaft ausgeschlossen hatten. Ihr gemeinsamer Plan: die Vernichtung der Menschheit - mit Beginn in Tokio. Erledigen werden das die riesigen Urzeitmonster, die sie in Kürze zum Leben erwecken werden. In seinem jüngsten Comic, "Das Ritual", widmet sich der Nicolas Mahler dem japanischen Filmtrickmeister Tsuburaya Eiji (1901-1970), der in den 1950er und 1960er Jahren als Leiter der Abteilung für Spezialeffekte an einer Reihe von Science-Fiction- und Horrorfilmen beteiligt war und als Schöpfer der Godzilla-Figur gilt.

Archetypische Konstellationen

Diese Information müsste man sich als Leser allerdings schon woanders herholen, es sei denn, man ist mit dem Genre der japanischen Kaiju-Filme vertraut, im Buch wird der Name des Trickspezialisten nämlich nicht einmal erwähnt. Für Mahlers Comic ist dieses Hintergrundwissen nicht notwendigerweise von Belang. Für die vor zenbuddhistischer Unerschütterlichkeit und vollendeter Sinnbefreitheit strotzende Figur allerdings schon. In einem fiktiven Interview, das der Autor aus Zitaten zusammenstoppelt, breitet sich die trockene Anspruchslosigkeit des Trickmeisters aus - "Ich war mit den Tricksequenzen zufrieden."

Ein ganzes Leben lang konnte Mahlers Tsuburaya in dieser monoton anmutenden Tätigkeit aufgehen, ohne den geringsten Ehrgeiz, etwa bei einem Film selbst Regie zu führen. Einer der Einfälle, für die Tsuburaya berühmt wurde, war es, Monster von Schauspielern in Gummikostümen spielen zu lassen, während die Städte, die sie zerstören sollten, in Miniaturform aufgebaut wurden. "Über die Jahre habe ich Tokio unzählige Male neu aufgebaut", erzählt der in Japan verehrte Trickspezialist, "nur um es wieder zu zerstören." Lapidarer Eigenkommentar: "Natürlich war alles ziemlich sinnlos. Aber was ist das nicht?"

Für Mahler ist das Stoff genug: der lakonische Ton Tsuburayas, die groteske Komik der Monster und der Männer in den Monstern, die Zerstörungswut. "Die totale Künstlichkeit der Zerstörungsszenen und die inhaltliche Monotonie bei diesen Filmen hat mich immer schon angesprochen." Inspiriert haben den Zeichner neben alten japanischen Monsterfilmen und Fotobänden auch seine Japanreisen. Das Nebeneinander von massivem Lärm und kontemplativer Stille in japanischen Städten spiegelt sich auch im Comic.