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Der Mann ist in der Krise. Ein Satz, der die gesellschaftliche Debatte bereits seit Jahrzehnten begleitet. Gemeint war damit bisher meist ein Ringen um maskuline Identität und um Fragen nach zeitgemäßen Formen von Männlichkeit. Die abzugrasenden Themen reichten dabei meist von Kochen und Babys-Wickeln bis zu Weinen und Väterkarenz. Klassische Fragen der gesellschaftlich tradierten und eingeübten Rollenbilder.

Erst schleichend in Etappen und spätestens ab 2017 mit dem medialen Orkan der MeToo-Debatte haben sich die Themenfelder gewandelt, hat sich die Debatte zugespitzt. Der Mann ist in der Krise. Das bedeutet heute: Er steht unter Generalverdacht. Männer sind sexuell übergriffig, würdigen Schwächere - Frauen - herab, missbrauchen ihre Machtpositionen und schlagen ihre Partnerinnen, Töchter und Schwestern. Aktuell spitzt sich die Situation noch einmal dramatisch zu: Bereits dreimal hatten familiäre Gewalteskalationen in Österreich im noch jungen Jahr 2019 für Frauen tödliche Folgen.

Der Mann ist in der Krise. Dabei geht es längst nicht mehr um ein privates Problem verunsicherter Individuen, es ist ein gesellschaftliches geworden. Verschärft trifft dieser gewalttätig-kriminelle Generalverdacht muslimische Männer - ganz egal, was die Statistiken sagen. Nicht zuletzt die Serie an Terroranschlägen in ganz Europa und Vorfälle wie die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln haben dazu geführt, dass der Generalverdacht hier noch einmal spezieller und dringlicher ist.

Neue Männer mit Babytrage und Kriegsbemalung

Jetzt sind zwei Bücher erschienen, die versuchen, dieses Misstrauen zu ergründen. Dass sie von Frauen geschrieben wurden, ist zugleich Stärke wie Schwäche. Zum einen ist Außensicht oft treffender als Selbstanalyse. Zum anderen ist das viel zitierte Schweigen der Männer, das vielerorts als Leugnen des Problems interpretiert wird, ein Grund dafür, dass die Situation weiter eskaliert anstatt einer Lösung entgegenzugehen.

Ganz allgemein mit der "bedrohten Spezies" Mann beschäftigt sich die Wiener Journalistin und Autorin Angelika Hager. Als "eine Safari durch die männliche Psyche" bezeichnet sie ihren jüngsten Band "Kerls!". Sie ortet in ihrer Analyse zwei Trends: Auf der einen Seite den neuen Mann, der sich "frei gemacht hat von archaischen Klischees der Männlichkeit", der "nicht von Kastrations-Ängsten geplagt wird, wenn er einmal einen Quinoa-Salat zaubert", und das Sprießen von "Institutionen abgeschotteter Männlichkeit" auf der anderen Seite - wie etwa in hippen Barber-Shops oder der Kriegsbemalung in Fußballstadien.