Mit den inzwischen legendär gewordenen drei Fragen an den burgenländischen Landeshauptmann Theodor Kery am Parteitag der SPÖ im Jahr 1982 machte der aufmüpfige Jungspund Josef Cap eine breitere Öffentlichkeit auf sich aufmerksam. Ob sein Einkommen wirklich um vieles größer sei als jenes des Bundeskanzlers, ob er tatsächlich verbilligten Strom beziehe und ob er ein Waffennarr sei, wie kolportiert wird, fragte er den prominenten Genossen. Viele seiner sogenannten Parteifreunde waren konsterniert. Cap wurde für die nächste Nationalratswahl im Jahr danach von der Kandidatenliste gestrichen. Er führte einen Vorzugsstimmenwahlkampf und zog in das Parlament ein.

Pointenarme Chronik

Es war der Beginn einer beachtlichen Parteikarriere, die bis in Spitzenpositionen führte. Widerständisch blieb der SPÖ-Politiker: Er war für ein Berufsheer, gegen den Bau eines Donaukraftwerkes in der Hainburger Au und noch vieles mehr.

Sein Hauptbetätigungsfeld war das Parlament. Cap war ein passionierter und geschätzter Abgeordneter. Der Marathonläufer hielt Reden, mit denen er durch seinen Intellekt, seinen polemischen Humor und seine Sachkenntnis die Debatten belebte und aufheizte.

Umso enttäuschender ist sein bestens ausgestattetes Buch, in dem er in kurzen Abschnitten die politischen Ereignisse der vergangenen drei Jahrzehnte zahm, glanz- und pointenlos Revue passieren lässt. Seine Aufmüpfigkeit scheint mit ihm alt geworden zu sein.

Sachbuch

Kein Blatt vor dem Mund

Josef Cap

Kremayr & Scheriau GmbH, 191 Seiten, 22 Euro