Düster erscheint das Zukunftsbild im Westen. Statt Fortschritt, Aufbruch, Zuversicht hält weitgehend Pessimismus Hof. Die ökonomische Vorherrschaft der USA und Europas schwindet, und unklar bleibt, ob sich unsere von der Aufklärung geprägten humanen und politischen Werte werden halten können.

Mit typisch amerikanischem Optimismus hält Steven Pinker dagegen. Seinem Thema "Aufklärung jetzt" vermag der Harvard-Professor für Psychologie durchweg einen leuchtenden Anstrich zu geben. Und er hat ja recht: Der Aufklärung und ihrem Fortschrittsglauben verdanken wir unerschöpflich viele herausragende Errungenschaften der letzten 200 Jahre: bessere Gesundheit, erhöhte Lebensdauer, wachsenden Wohlstand, größere Sicherheit, mehr Demokratie, mehr Frieden, kurz: ein besseres Leben als je zuvor.

Aber fraglich ist mehr denn je: Bleibt es dabei? Geht es fortschrittlich weiter? Pinker sieht die Gefahren: Hass, Unvernunft, religiöser Dogmatismus, Wissenschaftsfeindlichkeit, populistische Wahrheitszerstörung. "Es ist so bequem, unmündig zu sein", mahnte Kant. In seinem umfangreichen Buch führt Pinker die bedrohlichen Elemente der "Gegenaufklärung" an. Dass für ihn auch Kritik am Konsumismus und an der Kernenergie dazu zählen, trübt seine Sicht. Dennoch verbreitet der Autor Zuversicht. Er verkörpert nichts weniger als "das Pionierhaft-Optimistische", das schon den Emigranten Thomas Mann an den Amerikanern faszinierte.