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Jordan Peterson zeigt und hört sich gerne und oft. Talkshows mit dem berühmten Professor aus Kanada sind randvoll, seine Bücher verkaufen sich erstklassig, er ist auf allen Plattformen zu konsumieren. Mittlerweile ist Peterson nicht nur sehr einflussreich, sondern auch sehr reich. Ähnlich hat sich sein Aussehen gewandelt. Seit sich der 56-jährige ausschließlich von Rindfleisch, Salz und Wasser ernährt, wirkt er extrem drahtig. Der Ausdruck in seinen Augen kommt einer Mischung aus Angriffslust und Seelenruhe gleich. Im Maßanzug und mit gegeltem Haar lässt er seine Gesprächspartner nach Worten ringen. Der brillante Rhetoriker genießt solche Triumphe.

Nie um eine Antwort verlegen, niemals nur einen Hauch von seiner Linie abkommend, breitet er seine philosophischen Theorien und sein angewandtes Wissen über klinische Psychologie aus, um soziale Dilemma zu erklären, kritisiert furchtlos den Postmodernismus, den Feminismus, den Neo-Marxismus an Universitäten und schwelgt in Theorien über Genderunterschiede. Zweifellos ist er einer, der sich breites Wissen aus sämtlichen Fachgebieten angeeignet hat und noch dazu enorm beredt ist. Gerne bedient sich der Anhänger von Carl G. Jung an biblischen Geschichten und religiöser Symbolik. Peterson ist nicht einer, der darauf aus ist, andere einzulullen oder zu überzeugen und auch wenn er sich empört, bleibt er ruhig. Dafür sorgt schon seine sonore, wenngleich dünne Stimme.

Junge frustrierte Männer

Ganz klar definiert er seine Mission: Die Rettung von jungen Männern. Männer müssen erwachsen werden und ein Ziel im Leben finden, behauptet Peterson. Sie sollen auch eine Frau haben, im Idealfall verheiratet sein, monogam leben und von Pornographie die Finger lassen. Verallgemeinerungen sind die Regel bei Peterson, was vielen missfällt. Er selbst behauptet, dass er sich gerne als Vaterfigur für jene sieht, die er antriebslos in der westlichen Gesellschaft nach einem Strohhalm suchend ortet. In der Tat ist sein Publikum männlich. Trotz seines wiederkehrenden Duktus, dass das Leben an und für sich nichts anderes bedeutet, als zu leiden, lässt er seine Anhänger glauben, in einem "Zeitalter des Lichts" angekommen zu sein.

Immer wieder weist er darauf hin, dass die Menschen eben auf den Schmerz und das Leid vergessen hätten. Es habe keinen Sinn nach Glück zu suchen, denn Glück sei ein sinnloses Ziel. Man brauche einen Sinn und Zweck, um vorwärts zu streben. Ansonsten würde der Mensch verbittern und an seinem Leben verzweifeln, so lautet seine gängige These. Es geht ihm darum, dass Menschen ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Es liege an einem selbst, zu gewinnen oder zu verlieren, predigt er: "Der Mensch muss sich bewegen und für Dinge großmachen, die einen Wert haben. Es gibt kein Leben ohne Werte."